Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 34. (1981)

AULINGER, Rosemarie: Kundschafterberichte über den Aufmarsch der Türken am Balkan 1532. Meldungen an den Reichstag

Kundschafterberichte über den Aufmarsch der Türken am Balkan 1532 155 und damit auch gegen das Heilige Römische Reich, der eine große Gefahr für die gesamte Christenheit bedeuten würde, nicht völlig entziehen. Die beiden Kaufleute, die von Februar bis Ostern in Ofen (Buda) gewesen waren, spra­chen in erster Linie von ungarischen Angelegenheiten sowie von einem unga­rischen Reichstag, der von König Ferdinand verlangt habe, ihnen zu helfen und die Türken zu vertreiben36). Alvise (Ludovico) Gritti erwarte man täg­lich in Ofen, wo er möglicherweise mit Zápolya, der aus Polen heimgekehrt sei, Zusammentreffen werde. Von den Türken selbst sahen die beiden Kauf­leute in Ungarn nichts - sie reisten von Ofen über Stuhlweißenburg (Székes- fehérvár) und Veszprém nach Krain -, doch hörten sie überall von der türki­schen Mobilmachung: „Die brief, so ine von Constantinopel körnen sein, . . . die zaigen an ain grosse rustung, so der Turckh haben soll, aber nye- mands hab mögen wissen, wohin er welle; er und Habriam [Ibrahim] Wascha wissen es allain“37). Die von den beiden gemachten Angaben lassen sich leicht als Tatsachen be­stätigen: Der im Januar 1532 einberufene ungarische Reichstag verabschie­dete eine von Thomas Nadásdy eingebrachte Vorlage. „Wir hier Anwesenden wollen denjenigen, der um die Krone kämpfenden Fürsten als König aner­nes von kaski selbst, das zweite von dem sächsischen Ritter Nikolaus Minckwitz, soll­ten die Reichsstände um Hilfe und Freundschaft für Zápolya bitten. Die beiden Briefe des Königs: MEA RTA 6 b fol. 38r-40r (1531 November 25) und fol. 42v-45r (s. d.). kaskis Schreiben (ebenda fol. 41r-42v) war an die Bischöfe von Salzburg, Bamberg, Speyr und Augsburg, die Herzoge Wühelm und Ludwig von Bayern, Georg von Sach­sen, Pfalzgraf Ottheinrich und Herzog Heinrich von Braunschweig gerichtet und wurde gemeinsam mit den Briefen Johanns am 20. Mai verlesen. Das Schreiben Minckwitz’ (ebenda fol. 37 rv) wurde am 16. Mai den Ständen vorgelegt. Vgl. auch Muffat Correspondenzen 146-151 n. 59: entspricht MEA RTA 6 b fol. 38ff. In vier Gutachten beschäftigte sich der Reichstag expressis verbis mit dem Konflikt zwischen Zápolya und Ferdinand und einer möglichen Verlängerung des Friedens zwischen den beiden: MEA RTA 6 b fol. 15-17 (Gutachten der Stände auf ein Ansuchen der Prote­stanten, 1532 April 28), fol. 19r-20r (Antwort des Kaisers, s. d.), fol. 35rv (Gutachten der Stände von 1532 Mai 7) und fol. 55r-56r (Ansuchen der Stände von 1532 Mai 23, man möge wieder den König von Polen als Vermittler einschalten). Am 7. Juni ließ schließlich Karl V. den Ständen einen Brief an König Sigismund vorlegen (ebenda fol. 57 rv), in dem er um weitere Vermittlungsversuche bat. Eine Rede, die im Auftrag kas- kis um den 18. Juni 1532 den Reichsständen vorgetragen wurde, ist nur im Staatsar­chiv Weimar Reg. E fol. 44 n. 92 fol. 54 ff (unfol.) erhalten. Im wesentlichen drang je­doch kaski mit seinem Ansuchen - einem Freundschaftsbündnis zwischen dem Reich und Zápolya - nicht durch. Vgl. Turetschek Die Türkenpolitik 247ff, Muffat Cor­respondenzen 159 ff. 36) HHStA Hungarica 19 fol. 85rv (Bischof Thomas Zalaháza von Eger an Ferdi­nand, 1531 November 11) und 20 fol. 56r—59v, 60v (Sigmund von Herberstein an Ferdinand, 1532 Jänner 11), fol. 15r-16r (Johann Zalay von 1532 Januar 5 über die Ständeversammlung in Kenese am Plattensee). Vgl. Turetschek Die Türkenpolitik 223 ff. 37) MEA RTA 6 a/2 fol. 92 r. Die beiden Kundschafter sprachen von Briefen, die nach Venedig und Ragusa gesandt worden waren. - Auf Wunsch der Redaktion der MÖStA wurden am Buchstabenbestand aller wiedergegebenen Texte keine Eingriffe vorgenommen.

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