Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 31. (1978) - Festschrift für Richard Blaas
Gerhard RILL: Die Garzweiler-Mission 1603/4 und die Reichslehen in der Lunigiana
Die Garzweiler-Mission 1603/04 und die Reichslehen in der Lunigiana 25 eine totale Herrschaft über ganz Italien gerichteten) Expansionsabsicht der Spanier prinzipiell abgelehnt. Nur das Halten und Verstärken der Hegemonie und damit die Kontrolle von Schlüsselpunkten sei von der spanischen Regierung beabsichtigt worden, Mailand selbst habe weitgehende, an die Tradition des Herzogtums anknüpfende Autonomie genossen und sogar eine eigene Außenpolitik geführt; und den übrigen italienischen Staaten sei durchaus ihr Eigenleben verblieben69). Noch 1626 urteilt der spanische General Carlos Co- loma: Nicht die Autorität eines Monarchen, sondern die Balance regle die Koexistenz in Italien, dessen Gesundheitszustand nur durch die „igualdad de los humores, aunque tan diversos entre si“ erhalten werden könne70). Gegenüber dem Reich hatte Spanien in der Italienpolitik zwar gerade in dieser Zeit völlig freie Hand, schon unter Kaiser Ferdinand III. begann jedoch der Rückgang des spanischen Einflusses71). Es kündigte sich für die spanische Herrschaft im Herzogtum Mailand, in dem sich nun auch immer stärker die bereits um 1620 einsetzende wirtschaftliche Regression bemerkbar machte,allmählich jene Epoche des „abbandono e isolamento“ an, die vor dem Ausbruch des europäischen Konfliktes um das spanische Erbe den Tiefpunkt mailändischer Geschichte bedeutete72). Die Nachfolge in den Reichsrechten in der Lunigiana trat nicht Spanien sondern die Toskana an. Im übrigen Reichsitalien aber lebten in der Theorie, in Sonderformen der Administration und als politisches Kampfmittel die mit den Reichslehen verbundenen Ansprüche fort, in den Auseinandersetzungen des Mailänder Senates mit Reichsvasallen noch unter österreichischer Herrschaft ebenso wie in der konsequenten Italienpolitik Josephs 1.73), jenes Herrschers, der die Wunschvorstellungen Garzweilers in einem Ausmaß, das dieser nicht hatte voraussehen können, verwirklichte. 69) Romolo Quazza Spagna e Italia dal 1559 al 1639 in Italia e Spagna (Firenze 1941) 163-192, bes. 168; Gianluigi Barni I rapporti internazionali dello Stato di Milano in Italia durante il periodo della preponderanza straniera in Archivio storico lombardo n. s. 8 (1943) 19-71; Storia di Milano 10 (Milano 1957) 14f, 22. ™) Olga Turner II rapporto di Don Carlos Coloma dal ducato di Milano, nel 1626, a Filippo IV di Spagna in Rivista storica italiana 64 (1952) 584. 71) Pugliese Le prime streite 108f, 110ff. 72) Carlo Morandi La fine dei dominio spagnuolo in Lombardia e le premesse sto- riche settecentesche in Archivio storico italiano 94 (1936) 181f; siehe ferner den Beitrag von Leopold Auer in diesem Band S. 52ff. Über die wirtschaftliche Entwicklung Aldo De Maddalena A Milano nei secoli XVI e XVII: da ricchezza «reale» a ric- chezza «nominale»? in Rivista storica italiana 89 (1977) 539ff. 73) Magni II tramonto 180; Karl Othmar Frh. von Aretin Kaiser Joseph I. zwischen Kaisertradition und österreichischer Großmachtpolitik in HZ 215 (1972) 530ff.