Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 31. (1978) - Festschrift für Richard Blaas

Gerhard RILL: Die Garzweiler-Mission 1603/4 und die Reichslehen in der Lunigiana

12 Gerhard Rill richtet7). Im April 1603 treffen wir Garzweiler zum ersten Mal in Italien (Pisa), wo er wahrscheinlich seine eigene Mission vorbereitete. Die an ver­schiedene italienische Vasallen adressierten Beglaubigungsschreiben tragen das Datum des 15. Juli8). Vom 1. bis 7. August ist der Kommissar in Lucca bezeugt, vom 15. dieses Monats bis Ende September in Mailand, wo ihn au­ßer den noch zu schildernden Auseinandersetzungen mit dem spanischen Gouverneur Geldsorgen plagten, - „mit gueter leuth hülff und beystandt“, so klagt er, habe er, Repräsentant des Kaisers, sich erhalten müssen9). Von An­fang Oktober bis gegen Jahresende treffen wir ihn in Genua, von wo aus er die ligurischen Reichslehen bereist und besonders an der oberen Riviera das Elend der vom spanischen Militär heimgesuchten kleinen Vasallen kennen­lernt. Eine dringende Reise nach Mailand muß er immer wieder aufschieben, da er nicht über die Mittel zur Deckung der Reisekosten verfügt10). Mitte Dezember hat er das „mueseligist“, nämlich die Bereisung der im Gebirge liegenden Lehen, bereits erledigt und auch schon eine „sondere matricl“ der ligurischen Reichslehen angelegt11). Am 20. Dezember oder kurz darauf trifft er mit Pepoli in Bologna zusammen; nach dreiwöchigem Warten eröffnet Pe- poli seinem Kollegen endlich, daß der Papst ihm als päpstlichem Untertanen verboten habe, an der kaiserlichen Kommission teilzunehmen (vor allem des­halb, weil der Kaiser ihn im Beglaubigungsschreiben als „fidelis noster dilec­tus“ bezeichnet hatte)12). Vom 8. Jänner bis Anfang Februar ist Garzweiler wieder in Mailand, den Rest des Monats in Mantua13), um den 1. März in Modena — von hier übersendet er das Verzeichnis der lombardischen Reichs­lehen 14) -, dann bis Mitte März in Bologna, wo er wegen Schneeverwehungen festgehalten wird, schließlich bis Anfang April in Florenz. Über die Luni- giana (Pontremoli, Massa) geht es nun wieder nach Genua. Hier ist er noch Anfang Mai 1604 bezeugt, Ende Juni dürfte er in Prag eingetroffen sein15). Fragen wir uns nach den Ergebnissen, die diese strapaziöse Reise der Prager Regierung einbrachte, dann wird man - da der Kommissar fast durchwegs Neuland erschloß - von vorneherein nur mit vorsichtigen Relationen, kei­neswegs mit der exakten Einordnung in eine Wertskala der Einnahmen und Kontributionen rechnen dürfen. Man hat den finanziellen Ertrag der Garz- weiler’schen Mission als „glänzend“ bezeichnet, — besonders in Anbetracht 7) Alle folgenden Daten, sofeme nicht anders angegeben, nach den Berichten in PI 1. 8) HKA RA 24fol. 656, 659, 671-678. 1603 September 10 Mailand: PI 1 fol. 130-139. 10) 1603 Oktober 22 Genua: PI 1 fol. 157-159. u) 1603 Dezember 13 Genua: PI 1 fol. 170-172; Matrikel ebenda fol. 268-271. 12) Bericht Garzweilers, 1604 Februar 12 Modena: PI 1 fol. 215—216; vgl. Schreiben der Hofkammer an Garzweiler, 1604 Jänner 26: HKA RA 24 fol. 721. 13) Herzog von Mantua an Rudolf II., 1604 Februar 20: HKA RA 24 fol. 664. 14) PI 1 fol. 230-241. 15) 1604 Juni 9, Hofkammer an Geheimen Rat betr. Rückreise Garzweilers und Be­reitstellung einer Unterkunft für ihn: HKA RA 24 fol. 728-729.

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