Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 30. (1977)

NECK, Rudolf: Sammelreferat. Geschichte der Arbeiterbewegung

Literaturberichte SAMMELREFERATE GESCHICHTE DER ARBEITERBEWEGUNG Von Rudolf Neck Die Forschungen auf dem Gebiet der Geschichte der Arbeiterbewegung haben seit unserem letzten Bericht1) eine weitere Vermehrung und In­tensivierung erfahren. Allein im Bereich Österreichs und der Bundes­republik haben die Publikationen weiterhin erheblich zugenommen, und es kann an dieser Stelle nur an einigen wenigen Beispielen der allgemeine Trend aufgezeigt werden. Dabei wird darauf hinzuweisen sein, daß es sich bei manchen Veröffentlichungen nur um die Deckung des reinen Nachholbedarfs nach der Aera des Faschismus handelt, daß einfach der Zugang zu international längst bekannten Forschungsergebnissen zu er­schließen ist. Dennoch soll nicht übersehen werden, daß vor allem im Rahmen der älteren Publikationsreihen in Deutschland wie in Österreich nicht nur quantitative, sondern auch qualitative Leistungssteigerungen auf unserem engeren Gebiet zu rühmen sind. Wie weit dies mit der allgemeinen politischen Entwicklung in Mitteleuropa in den letzten Jahren zusammenhängt, lassen wir lieber dahingestellt. Aber es ist kein Zweifel, daß durch die Übernahme der Regierungsver­antwortung seitens sozialdemokratischer Parteien auch das historische Interesse in dieser Richtung zunimmt. Vor allem richtet sich seit Men­schengedenken der Blick der hohen Schulhistorie immer gern nach der Sonne. Aber wie die Konfrontation mit der Ausübung der Macht den politischen Organisationen des demokratischen Sozialismus neue Proble­me bringt, so stellen sich letztere auch der historischen Forschung der Arbeiterbewegung. Insbesondere erhebt sich die Frage, wie sich die po­litisch erfolgreiche und im spätkapitalistischen System integrierte Arbei­terbewegung zu ihren heroischen Kampfepochen stellt. Ist das Phäno­men, daß man sich immer mehr mit der eigenen Geschichte beschäftigt, nicht letzten Endes auch ein Zeichen des „Establishments“? Es ist hier nicht der Ort, auf diese Fragen näher einzugehen — und wir wollen uns auf unsere referierende Aufgabe beschränken —, aber auf die Dauer wird ihnen auch der Historiker nicht ausweichen können. i) Vgl. MÖStA 27 (1974) 447 ff.

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