Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 30. (1977)

MIKOLETZKY, Lorenz: Der Brand von Hamburg 1842. Aus den Akten der Staatskanzlei und der Präsidialabteilung der Hofkammer zu Wien

Der Brand von Hamburg 1842 35 Beute der Flammen, die von da nun ein weitendgedehntes Gebiet gewannen, welches sie bisher bei einbrechender Nacht und erschöpften Kräften des Lösch­personals noch inne haben! ..4). Wie bei allen Großstädten der damaligen Zeit, wurde dem Feueralarm nicht die Bedeutung beigemessen, die er verdiente, und die Kräfte des Löschpersonals erlahmten bald, so daß der Senat sich vor die Aufgabe gestellt sah, den englischen Ingenieur Lindley mit der Leitung von Spreng- aktionen zu betrauen, die Breschen in die Feuerwand schlagen sollten. Das Unglück traf die Stadt in der Nacht vor dem Tag, an dem die erste Eisen­bahn im nördlichen Deutschland, die Linie Hamburg-Bergedorf, eröffnet werden sollte. Vorerst sprach man von einem Speicherbrand, ein Wort, das an das Feuer des Jahres 1827 in der Großen Reichenstraße und an das­jenige vom 14. Januar 1830 erinnerte; niemand konnte das Ausmaß ahnen, das der Brand diesmal annehmen sollte. Die Löschanstalten, die einen guten Ruf besaßen, setzten in dieser Schreckensnacht zwar alle vorhan­denen Kräfte ein, aber das schmale Fleet, das die Speicher in der Deich­straße von denen am Rödingsmarkt trennte, war durch einen sechs Wochen wehenden Ostwind auf niedrigsten Wasserstand gebracht, sodaß keine Wasserspritze angewendet und nicht einmal eine brennende, aus einem Speicher herausgeworfene Sprittonne gelöscht werden konnte * 2). Einen Tag nach dem angeführten Bericht korrigierte Pretis seine erste Mitteilung. Nicht die Jakobikirche, sondern die Nikolaikirche war einge­äschert worden; zu den vernichteten Gebäuden zählte er das Rathaus, die ehemalige Börsenhalle und die alte Börse; auch der alte Jungfernstieg existierte nicht mehr. Über seine persönlichen Verhältnisse berichtete der Generalkonsul: „... Meine Behausung lag Dank der gütigen Vorsehung bisher außer dem Zug der Zerstörung, das ist seit dem Vorrücken der Flammen gegen die Petri-Kirche nicht mehr der Fall, doch hoffe ich, durch Gottes Schutz dieselbe, da sie von einem breiten Graben von den Häusern der inneren Stadt getrennt ist, von dringender Gefahr bewahrt zu sehen. Dieser Grad von Sicherheit, in dem ich bisher leben durfte, gab mir erwünschte Gelegenheit sowohl den öffentlichen Anstalten als Bekannten und Freunden und selbst Unbekannten, denn die große Noth verbrüderte gleichsam mit Jedermann, an die Hand zu gehen, wie auch ihren Personen und Effekten Obdach zu gewähren ... P. S. Der k. k. Ge­sandte glaubt sich in Gefahr und räumt“ 3 4). Dieser Zusatz wird durch ein Schreiben des Gesandten Maximilian von Kaisersfeld an Metternich vom 7. Mai 1842 bestätigt, worin ersterer be­richtet, er selbst habe flüchten müssen, die Abwicklung aller Geschäfte habe aufgehört und man höre nur die Explosionen der Minen, durch die Häuser gesprengt würden4). Unter anderem finden sich in diesen Zeilen 1) Finanzarchiv Wien Präsidium (künftig: FA PRÄS) 3384/1842. 2) Carl Monckeberg Geschichte der Freien und Hansestadt Hamburg (Hamburg 1885) 474 f. 3) Vgl. Anm. 1. 4) Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien Staatskanzlei, Diplomatische Kor­respondenz, Berichte aus Hamburg 41 (künftig HHStA StK Hamburg 41): Be­richt 30/1842. 3*

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