Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 30. (1977)

WEINZIERL, Michael: Das Commonwealth vom Aufstand der Presbyterianer bis zum 2. Staatsstreich der Armee 1659

Das Commonwealth 1659 27 dritten „Agreements of the people“, das einen Kompromiß zwischen Level­lern und den Anhängern Iretons dargestellt hatte, befürwortet haben 147). Die öffentliche Verfassungsdiskussion nach „Booth’s Rising“ ist durch eine Polarisierung zwischen den Sekten angehörenden bzw. freundlichen Theoretikern wie William Sprigge oder Henry Stubbe und wieder stärke­ren Auftrieb erhaltenden „gemäßigten“ Commonwealthmen gekennzeich­net. Allgemein verstärkte sich das Bedürfnis nach historischer und theore­tischer Fundierung der Verfassungsvorschläge. Dies ist sicher auf den Ein­fluß Harringtons und seiner Freunde zurückzuführen; dadurch verloren diese Modelle manchmal den Bezug zur „Tagespolitik“ 148). Diese oft verworrenen Diskussionen fanden auch in der Unentschlossen­heit des Verfassungsausschusses ihre Widerspiegelung. Der venezianische Botschafter berichtet: „The President of the congress having got the minister of Genoa here to tell him about the government of his republic, but so far no one supports him. Others want the Dutch model. Others again would like to set up the admirable form of our republic, but this can never be because they want to exclude the nobles. Some want an aristocracy, some democracy, some other forms. In short they are involved in confusion“ 149). Die Unruhe der Armee Lamberts und deren Folgen sollten das Komitee schließlich daran hindern, dem Parlament jemals einen Verfassungsplan zu unterbreiten. IV Lambert reagierte zunächst nicht offen auf die Ablehnung seiner Beförde­rung; Beobachter argwöhnten jedoch, daß er die Rückkehr seiner Armee verzögere; der Staatsrat forderte ihn deshalb noch im August auf, sobald wie möglich wieder an den Sitzungen teilzunehmen 15°). Einige Milizregi­menter weigerten sich, vor der Bezahlung ihres Soldes die Waffen nieder­147) Woolrych Settlement 196. „Agreements of the People“ waren Ver­fassungsentwürfe der Leveller, die grundlegende Reformen wie Abschaffung der Staatskirche, Wahlrechtserweiterung, zweijährige Parlamente usw. vor­sahen. Die Armee modifizierte diese „Agreements“ 1649 zum 3. „Agreement of the People“, das sie ohne Erfolg dem Rumpf vorlegte. 148) Weinzierl Republikanische Politik 213—216. — James Harrington (1611—1677) stammte aus einer reichen Familie in Rutlandshire. Studien in Oxford, weite Reisen. Im Bürgerkrieg neutral; veröffentlichte 1656 Oceana. War mit Neville befreundet. 1659 Gründer des Rotaklubs; nach der Restauration eingekerkert. Weitere Werke: Art of Lawgiving (1659), Prerogative of Popular Government sowie zahlreiche kleinere Pamphlete. — Zur Harrington-Interpre- tation vgl. zuletzt John G. A. P o c o c k The Machiavellian Moment. Floren­tine Political Thought and the Atlantic Republican Tradition (Princeton 1975) 383—400. i«) CSPV 32 70. iso) CSPD 48 157 passim.

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