Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 30. (1977)

HOFFMANN, Robert: Die wirtschaftlichen Grundlagen der britischen Österreichpolitik 1919

Britische Österreichpolitik 1919 285 Verlauf einer Diskussion vom 13. November 1919 zwischen Schatzkanzler Chamberlain, Handelsminister Auckland Geddes und der Deputation einer karitativen Organisation, die sich zugunsten eines britischen Reconstruc­tion-Engagements einsetzte. Chamberlain stellte klar, daß „... of our whole debt of £ 8,000 000 000 the part which causes us the greatest anxiety is the £ 1,000.000.000 which we owe in the United States of America. Any addition to that debt is a very serious responsibility for us to under­take, and must have a further depressing effect pro tanto on the dollar Exchange. In those circumstances, I have been obliged ... to say quite definitely that I could not undertake further purchase in dollars for Austrian relief“ lss). Sir George Paish, der während des Krieges selbst in der Treasury tätig gewesen war, entgegnete dem Schatzkanzler: „Of course, if no one is willing to support the Continent, it means a permanent loss of a market in which we have hitherto sold nearly 40 per cent of our exports, and it is essential that we should do what we can to help the Continent, at the same time trying all that we can to get the world into an arrangement, so that the world appreciates the serious danger it is for every nation, not mereley for ourselves“ i»»). Dem stimmte Chamberlain durchaus zu, doch bezweifelte er gleichzeitig die Chance einer internationalen Kooperation, denn „America holds the key to the position, and she is not willing“ 135 * 137). Der Schatzkanzler sollte recht behalten. Als das Foreign Office mit Billi­gung Lloyd Georges Ende November eine diplomatische Initiative startete, um die Vereinigten Staaten zur Teilnahme an einem von der eben instal­lierten Reparationskommission für Österreich ausgearbeiteten Sanierungs­programm zu bewegen, war der Erfolg gleich null. Der ehemalige Feind­staat Österreich konnte keine vom Kongreß für Auslandskredite bewillig­ten Gelder erhalten 138 * *). Damit blieb die Lage, trotz Renners Vorsprache beim Obersten Rat in Paris im Dezember und der alarmierenden Berichte der britischen Vertreter in Wien, vorerst unverändert. Erst als Sir William Goode, der Vorsitzende der interalliierten Reparationskommission in Wien, im Frühjahr 1920 nach Washington und in verschiedene neutrale Haupt­städte reiste, um die Möglichkeiten für ein internationales Hilfsprogramm zu erkunden, kam es im April 1920 in Paris zur Gründung des Inter­national Committee for Relief Credits, in dem auch die USA inoffiziell mitarbeiteten,3!)). Diese neue Organisation diente aber mehr der Ver­teilung überzähliger Regierungsgüter als dem gezielten Wiederaufbau der Wirtschaft in Österreich und den anderen kreditbedürftigen Staaten Mit­tel- und Osteuropas. Die Überlegungen für eine wirksame Strategie zur 135) Diskussionsbeitrag Chamberlains, siehe Anm. 130; (Hervorhebung im Orig.). is«) Diskussionsbeitrag Paishs, ebenda. isi) Diskussionsbeitrag Chamberlains, ebenda. iss) Telegramm von Curzon an Grey, Washington, 1919 November 21: DBFP 1/6 396—398; R e c k e r England und der Donauraum 136. 13») Ebenda 138—143.

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