Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 30. (1977)

HOFFMANN, Robert: Die wirtschaftlichen Grundlagen der britischen Österreichpolitik 1919

276 Robert Hoffmann blow was the right of confiscation of Austrian property in the old states of the Ex-Empire. It is just as though holdings of Englishmen in Scotland might be confiscated in the event of return to Anti-Union conditions“ 9«). Da allgemeine Übereinstimmung darüber bestand, daß die Lebensfähig­keit des neuen Österreich sehr wesentlich von den Dividendeneinkünften und dem Devisenzufluß aus dem altösterreichischen Kapital- und Indu­striebesitz abhängen würde, setzten sich alle Sektionen der britischen Friedensdelegation einhellig für eine Revision dieses Paragraphen ein. Die Neuformulierung von Artikel 49 erfolgte deshalb noch im Juni und zwar gegen den heftigen Protest von Rumänen und Jugoslawen 96 97). Auch die Aufteilung der österreichisch-ungarischen Staatsschuld sowie der Kriegsanleihen brachte nicht einseitig für Österreich Benachteiligungen. Wie in der Frage der Reparations- bzw. „Befreiungs“-Zahlungen setzte sich Lloyd George auch hier energisch für eine proportionale Aufteilung der ererbten Verpflichtungen ein 98 99 *). Damit wurde Österreich zwar einer­seits als Rechtsnachfolger der alten österreichischen Reichshälfte und da­mit als reparationspflichtiger Feindstaat eingestuft, andererseits aber wur­de es nur als einer der sieben Erben und Nachfolgestaaten der Donau­monarchie anerkannt. Dieses grundsätzliche Problem kam im Rat der Vier erst zur Diskussion, als der größte Teil des ersten Vertragsentwurfs schon fertiggestellt war. In der Vormittagssitzung vom 26. Mai wies Sir Mau­rice Hankey darauf hin, daß Headlam-Morley am Morgen desselben Ta­ges bei ihm erschienen sei „and had told him that Austria was to be a continuation of the old Austro-Hungarian Empire, but the Financial Clau­ses were drawn on the assumption that Austria was a new state“"). Der Historiker Headlam-Morley, der sich, wie er in einem Brief gestand, ziemlich schuldig fühlte, „at having raised so fundamental a point at so late a stage“ 10°), präsentierte dem Obersten Rat ein Memorandum, in dem er an der Grundlage des bislang fertiggestellten Vertragswerks hef­tige Kritik übte: „Surely new Austria is as much a new state as Czechoslovakia. What happened during the course of the Revolution was that the old Austro-Hungarian Mo­narchy completely broke up; certain portions, Bohemia, Moravia, etc., formed themselves into one state; other portions, Croatia, Dalmatia, etc., united themselves with Serbia; other portions, Upper and Lower Austria, Tyrol, Carinthia, Styria, etc., also formed themselves into a new state“ 101). 96) Brief von Cuninghame an Foreign Office, 1919 Juni 4: ebenda. 97) Council of Four, 1919 Juni 16 und 23: FR, PPC 6 (1946) 510 und 636 f. Pachitch an Friedenskonferenz, 1919 Juli 24: PRO FO 608 21/16239. 98) Vgl. Anm. 51 bis 57. 99) Council of Four, 1919 Mai 26: FR, PPC 6 30. too) Brief von Headlam-Morley an C. Hurst, 1919 Mai 26: James Headlam- Morley A Memoir of the Paris Peace Conference 1919, hg. von Agnes Head­lam-Morley u. a. (London 1972) 126. Headlam-Morley setzte sich in diesem Brief u. a. auch für die Anerkennung der Bezeichnung „Deutsch-Österreich“ ein. 101) Headlam-Morley: Note on the draft Austrian treaty, 1919 Mai 26: eben­da 127.

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