Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 29. (1976)

Zur publizistischen Auswertung des österreichisch-jugoslawischen Archivabkommens. Eine Erklärung der Generaldirektion des Österreichischen Staatsarchivs

Literaturberichte 531 aller politischen, ethnischen und geographischen Einheiten innerhalb des Vielvölkerreichs, wie es vom Autor des Standardwerks über das Nationa­litätenproblem der Habsburgermonarchie (The Multinational Empire, New York U950, 31970, erweiterte deutsche Ausgabe Graz—Köln 1964) nicht anders zu erwarten war, unterscheidet Ks Werk von jenen, vom Stand­punkt der „Gesamtstaatsidee“ und damit von dem der deutsch-zentrali­stischen Bürokratie aus geschriebenen Werken der „Reichsgeschichte“-Tra- dition aus den Zeiten der Donaumonarchie. Mit Recht betont allerdings K. selbst in der Einleitung (S. XII), daß der Vorwurf nationaler Voreinge­nommenheit diesen Autoren gegenüber in den meisten Fällen ungerecht wäre. Seine eigene Bemerkung über Erich Zöllners Geschichte Öster­reichs von den Anfängen bis zur Gegenwart im „Bibliographical Essay“ am Ende des Bandes („... a very sound, factual history written from the German centralist viewpoint“, S. 569) erscheint deshalb etwas irrefüh­rend, da Zöllners Buch dem Konzept nach eben nicht so sehr in der deutsch-zentralistischen „Reichsgeschichte“-Tradition, als vielmehr als ei­ne Geschichte des Raumes der heutigen Republik Österreich von den An­fängen menschlicher Siedlung bis zur Gegenwart geschrieben wurde, was naturgemäß in der konkreten Ausführung oft zu einer zumindest ähn­lichen Gliederung und Stoffverteilung wie in jenen älteren „Reichsge­schichten“ führen mußte. Wie schwer es für den heutigen Historiker ist, sich dem Einfluß dieser Tradition zu entziehen, zeigt übrigens selbst das Werk von K. in der etwas stiefmütterlichen Behandlung „Vorderöster­reichs“, wobei angemerkt sei, daß die Besitzungen im Bereich von „Öster­reich-Schwaben“ zum größten Teil nicht erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu Österreich kamen (S. 11, Anm. 10), sondern vielfach nahezu ein halbes Jahrtausend „österreichisch“ waren. Im allgemeinen und besonders was dann die Epoche nach dem „Erwa­chen der Nationalitäten“ betrifft, wird man aber K. wirklich ein Höchst­maß an Ausgewogenheit in der Behandlung der einzelnen Länder und Völker der Habsburgermonarchie, auch in der Berücksichtigung ihrer kul­turellen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung bestätigen und ge­rade in dieser — gewiß auch durch den „transatlantischen“ Standpunkt des Autors begünstigten — Ausgewogenheit einen besonderen Vorzug des Werkes anerkennen müssen. Ein weiterer, nicht genug zu rühmender Vorzug liegt in der Konzentra­tion und Beschränkung auf die großen Linien und auf kurze klare Urteile (so sehr man es vielleicht im Jubiläumsjahr des oberösterreichischen Bauernkriegs bedauern mag, daß „the heroic peasant revolt in Upper Austria between 1624 and 1627“ auf S. 109 zwar kurz erwähnt wird, man aber die Namen Stefan Fadinger und Adam Herberstorff, ebenso wie vorher den des Georg Erasmus Tschernembl, vergebens im Register suchen wird) sowie auf die knappen bibliographischen Hinweise in den Fußnoten, die durch einen „Bibliographical Essay“, eine ausgezeichnete kri­tische Auswahlbibliographie im Anhang, ergänzt werden. In dieser Be­schränkung auf die wichtige, neueste und den an Vertiefung interessier­ten Leser weiterführende Literatur kommt gleichfalls die besonders glück­liche „Personalunion“ des mit der österreichischen historiographischen Produktion seit jeher bestens vertrauten und zugleich die so bedeutende 34*

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