Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 29. (1976)
NECK, Rudolf: Archivalienausstellungen und Zeitgeschichte. Archivarische Klarstellungen zu Manfried Rauchensteiners „Thesen zur Ausstellung des Österreichischen Staatsarchivs“
ARCHIVALIENAUSSTELLUNGEN UND ZEITGESCHICHTE ARCHIVARISCHE KLARSTELLUNGEN ZU MANFRIED RAUCHENSTEINERS „THESEN ZUR AUSSTELLUNG DES ÖSTERREICHISCHEN STAATSARCHIVS“ Von Rudolf Neck In dieser Zeitschrift ist schon des öfteren über Archivalienausstellungen berichtet worden 1). Autoren der Berichte waren bisher immer die für Auswahl und Gestaltung der jeweiligen Ausstellungen Verantwortlichen selbst, denen sich damit die Gelegenheit bot, den Leser auch über all das zu informieren, wozu in dem beschränkten Umfang des Katalogs kein Platz war. Daß diesmal die Redaktion der Mitteilungen einen Unbeteiligten über eine Ausstellung des Staatsarchivs berichten läßt, ist an und für sich zu begrüßen, da sich auch hier Kritik als fruchtbar erweisen kann. Es wäre allerdings wünschenswert gewesen, wenn schon nicht einen Archivar, so doch einen im Umgang mit Archivalien und überhaupt mit dem Archivwesen vertrauten Referenten zu wählen, von dem auch ein Verständnis der speziellen Problematik zu erwarten war. Im vorliegenden Fall2) trifft dies leider nicht zu, da der Verfasser von rein musealen Gegebenheiten und Möglichkeiten ausgeht und zu manchen Einwänden kommt, die entweder irrelevant sind, offene Türen einrennen oder einfach an die falsche Adresse gerichtet werden. Im folgenden soll darum versucht werden, vor allem auf die oft sehr banalen Schwierigkeiten einzugehen, denen sich der Archivar bei der Planung und Einrichtung einer Ausstellung gegenübersieht, besonders bei zeitgeschichtlichen Themen. Die prinzipielle Problematik von Archivausstellungen ist seit langem bekannt. Die vor mehr als zwanzig Jahren in dieser Zeitschrift dargelegten Möglichkeiten und Grenzen3) haben sich — sofern man sich auf eine Archivalienausstellung im engeren Sinn beschränkt — nicht geändert, auch wenn man sich immer mehr zu einer Auflockerung durch nicht spezifisches Archivgut entschließt. Diese Nachteile treffen in verstärktem 1) Z. B. Rudolf Neck Die österreichische Archivausstellung in Moskau (Oktober 1959) und die österreichisch-sowjetische Archivausstellung in Wien (Juli 1960) in MÖSt A 13 (1960) 476 ff und Walter Goldinger „50 Jahre Republik Österreich in Dokumenten“. Ausstellung des österreichischen Staatsarchivs in MÖStA 22 (1969) 348 ff. 2) Manfried Rauchensteiner Das Jahr 1934 in der österreichischen Geschichte. Thesen zur Ausstellung des österreichischen Staatsarchivs in MÖStA 28 (1975) 435 ff. 3) Erika Weinzierl-Fischer Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv und Archivalienausstellungen in MÖStA 5 (1952) 346 ff.