Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 29. (1976)

SCHRÖCKER, Alfred: Leibniz als Herausgeber historischer Quellen

142 Alfred Schröcker Sicht um 1700 das alte Reich seinem Ende zuging und die Zukunft in Ter­ritorialstaaten wie Braunschweig-Lüneburg oder Brandenburg-Preußen zu liegen schien, nicht in einer Reichseinheit, wie sie das Mittelalter er­lebt hatte. Im Sinne einer aufsteigenden Idee und Wirklichkeit läßt sich leichter Geschichte schreiben als im Sinne einer sinkenden. Es ist ein persönlicher Zufall, steht aber doch auch typisch für eine Epoche, daß Leibniz mit seinen drei Bänden Scriptores nur Material für seine Ge­schichtsdarstellung der Öffentlichkeit vorlegen konnte, während seine Annales Imperii Occidentis Brunsvicenses für einen viel kürzeren Zeit­raum der Geschichte erst ab 1843 durch Pertz veröffentlicht wurden 98). Leibniz’ Forderung von annähernd kritischen Ausgaben historischer Quel­len wurde zwar gehört"), aber sie nützte nicht im erwünschten Maß. Die historische Konstellation war in Deutschland erst ein gutes Jahrhun­dert später für die Verwirklichung günstig: als man 1819 mit den Monu­menta Germaniae historica begann 10°). 98) Georg Heinrich Pertz, Direktor der Hannoverschen Bibliothek und damit Verwalter des Leibniz-Nachlasses: ADB 25 (1887) 406—410. Uber Leibniz als Landesgeschichtsforscher neben Eckert Leibniz’ Scriptores und Reese Die Rolle der Historie besonders Günter Scheel Leibniz und die geschichtliche Landeskunde Niedersachsens in Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschich­te 38 (1966) 61—85. ") Z. B. ausdrücklich aufgenommen von Martin R a n g o Pomerania diplo- matica (Frankfurt/Oder 1707). 10°) 1819 gegründet vom Freiherrn von Stein; ab 1826 erschienen die Scrip­tores.

Next

/
Thumbnails
Contents