Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 28. (1975) - Festschrift für Walter Goldinger

WINTER, Otto Friedrich: Personalunterlagen des Zweiten Weltkrieges im Kriegsarchiv

64 Otto Friedrich Winter dienstzeiten für Vorrückung und Ruhegenuß, für Urlaubsbemessung - eine Reihe von weiteren Aufgaben: Ausstellung von Dienstlaufbahnbestätigungen für Berufssoldaten, Nachweise von Gesundheitsschädigungen infolge des Wehrdienstes für die Invaliden- und Versorgungsämter, Nachweise von Ge­richtsverfahren, Urteilen und Strafverbüßung für die Opferfürsorge, Aus­künfte über Verleihung von Orden und Ehrenzeichen, über Dienstgrade, über den Erwerb bestimmter Befähigungen (Prüfungen), über Staatsangehörigkeit und Nationalität, Mithilfe bei Ausforschung von Vermißten oder Kriegska­meraden, auch von Kriegsgräbern, Ermittlungen für den Erhebungsdienst des Bundesheeres, Sachverständigengutachten bei Verfahren vor Arbeits­und Sozialgerichten. Anfragen über Kriegsgefangene in deutschem Gewahr­sam müssen ausnahmslos negativ beantwortet werden, da diesbezügliche Un­terlagen nicht ins Kriegsarchiv gelangt sind. Die in den so nach institutionellen, personellen und sachlichen Gesichtspunk­ten abgegrenzten Bereich fallenden Ansuchen werden zunächst auf Grund der in der Abteilung 2. Weltkrieg erhobenen bzw. von den Antragstellern beigebrachten Unterlagen bearbeitet. Fehlen solche Unterlagen oder sind sie nicht ausreichend, werden bei Vorliegen entsprechender Angaben erweiterte Erhebungen eingeleitet. Diese richten sich zunächst an die Ver­wahrungsstellen militärischer Personalunterlagen in Österreich: die Evidenz­stelle beim Amt der Tiroler Landesregierung, die Landesinvalidenämter und das Zentralarchiv des Landesinvalidenamtes, die Referate 33 HK/St. und 33 M. des Bundesministeriums für Inneres36). Es gibt aber auch eine Reihe ziviler Stellen, die mit Aussicht auf Erfolg um die Über­mittlung militärischer Personaldaten ersucht werden können. Dazu gehören zivile Arbeitgeber (öffentliche und private), Krankenkassen, Arbeitsämter, Meldebehörden37), Registraturen ehemaliger Kartenstellen38), aber auch Gerichte und Bank- und Sparkasseninstitute39), die österreichische Ge­sellschaft vom Roten Kreuz (Personalstelle, Vermißtensuchdienst) oder der Schutzverband ehemaliger Reichsarbeitsdienst-Angehöriger. Von den aus­ländischen Stellen sind jene der Bundesrepublik Deutschland von ausschlag­36) In diesem Referat ist das ehemalige Referat 33 D, das u. a. die Grundbuchblät­ter des österreichischen Bundesheeres (mit Ausnahme der Luftstreitkräfte) verwahrte, aufgegangen. Seit 1. Jänner 1975 lauten die Bezeichnungen Ref. IV/4/a bzw. b. - Die Anfragen erfolgen im Einsichtsweg „vor Erledigung“, wodurch eine bedeutende Er­sparnis unproduktiver Tätigkeit erzielt wird. (Dienstanweisung Nr. 10 des Direktors des Kriegsarchivs: KA Reg. ZI. 50.182/1967 vom 21. Dezember 1967). 37) Für den Nachweis von RAD-Dienstpflichtdaten von ausschlaggebender Wich­tigkeit, da für den davon betroffenen Personenkreis die Ab- bzw. Anmeldung ver­pflichtend war. 3S) Die Ab- oder Wiederanmeldung zum Lebensmittelkartenbezug (ab Kriegsbeginn 1939 bis 1952) ist für selbständig Berufstätige - soweit genaue Anschriften aus dem angegebenen Zeitraum vorliegen - manchmal die einzige Möglichkeit eines exakten Wehrdienstnachweises. 39) In den Prozeßakten politisch belasteter Personen, die häufig unmittelbar aus den Internierungslagern in die Untersuchungshaft überführt wurden, finden sich Wehrdienstdaten ebenso wie in den Konten über Soldanweisungen.

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