Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 28. (1975) - Festschrift für Walter Goldinger

THOMAS, Christiane: Acta Extera Caroli V. Geschichte eines gescheiterten Archivunternehmens

410 Christiane Thomas enorme Arbeitsleistung tatsächlich in zweieinhalb Monaten100) möglich? Von der optimistischen Vorstellung, für eine Druckseite nur eine Stunde zu be­rechnen101), hatte man sich sehr rasch gelöst und die doppelte Zeit einge­setzt102). Das monathche Limit an Arbeitsaufwand war für jeden mit 60 Stunden festgelegt103), was es gestattete, an jedem Wochentag zweieinhalb Stunden den Acta Extera zu widmen. Hätte man es lediglich mit kalligraphi­schen Kanzleischriften zu tun gehabt, klänge die Zeitspanne von Anfang Ok­tober bis Mitte Dezember eher glaubhaft. Doch hatte Mayr darauf aufmerk­sam gemacht, daß es paläographische Probleme durch die Konzepte geben werde. Noch dazu war in diesen Monaten eine Kartothek der Drucknach­weise entstanden, d. h. die Literatur für die ersten Jahrzehnte des 16. Jahr­hunderts war durchgegangen worden. Bei aller Anerkennung für die Erfah­rung und den Eifer aller Mitwirkenden darf man es wagen, Zweifel zu hegen. Es wäre denkbar, daß die Direktion unter Wahrung des klaglos funktionie­renden Lesesaaldienstes und der reibungslosen Abwicklung des Anfragen­verkehrs in einer vermehrten Tätigkeit für das Projekt eine Form archivari­scher Aufschlüsselung sah. Insofern entsprach die „Vertiefung unserer Kenntnisse der einschlägigen Bestände“104) einem Desiderat der Archivare, und abgesehen von dem Honorar war es doch auch für das Prestige des Hau­ses förderlich, zu beweisen, daß eine so gewaltige Publikation zügig vorange­trieben werden konnte. VI Dieser Gedanke stand offensichtlich hinter dem Entschluß, den Index noch vor Druckbeginn anzulegen. Hatte Mrs. Tyler anläßlich der Verhandlungen über den Probedruck bedauert, daß sie etwaigen Interessenten keine Probe­seite des Registers zeigen könne105), so war es eineinviertel Jahre später mög­lich, von seiten des Archivs auf fast abgeschlossene Vorarbeiten hinzuwei­sen106), oder anders formuliert: Wenn der Druck nicht zustande kommen würde, läge die Schuld nicht am Arbeitsteam. Selbstverständlich konnte der Index nicht druckfertig sein, die Seitenzahlen würden mit der Lieferung des Umbruchs eingefügt werden. Doch ließen sich zumindest alle Personen- und Ortsnamen sowie Schlagworte verzetteln, die nach dem Muster der Ca­lendars in der Bearbeitung von Royall Tyler gebildet werden sollten: Die einzelnen „Positionen“ wurden mit „Unterabteilungen'“ nach sachlichen Gesichtspunkten ange­10°) Nach ZI. 1235/1921 von 1921 Oktober 17 wurde „seit 2 Wochen“ abgeschrie­ben. 101) ZI. 3/1921. 102) ZI. 55/1921. 103) Ad ZI. 100/1921: Protokoll von 1921 Januar 14. 104) Siehe oben S. 401. 105) ZI. 575/1921; siehe oben S. 405. 106) Ad ZI. 872/1922.

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