Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 28. (1975) - Festschrift für Walter Goldinger

THOMAS, Christiane: Acta Extera Caroli V. Geschichte eines gescheiterten Archivunternehmens

Acta Extera Caroli V. 405 spondenzen mitbeteiligt66). Organisierte und koordinierte Mayr die ersten Ar­beitsabschnitte des Aktenaushebens und des Abschreibens, so griff Bittner mit den Anweisungen für die Anlage des Index in diesen „internen“ Bereich ein. Beide teilten sich die Verantwortung für das druckfertige Manuskript: Mayr redigierte gemeinsam mit Stowasser die Texte, Bittner mit Unterstüt­zung durch Fritz Reinöhl das Register67). Das sang- und klanglose Auslaufen dessen, was man mit unwahrscheinlichem Schwung und intensivstem Einsatz nicht nur begonnen, sondern doch auch zu einem vorläufigen Abschluß vor­angetrieben hatte - immerhin hatte man den ersten Band mit 349 Nummern für die Zeitspanne von 1. Juli 1519 bis 5. August 1521 im großen und ganzen fertiggestellt muß gerade für diese beiden so intensiv mitwirkenden Wis­senschaftler eine bittere Enttäuschung gewesen sein. Daran ändert sich nichts, wenn man die materielle Entschädigung betont, die Mrs. Tyler für alle Mitarbeiter aufwendete. Bittners für die Initiatorin gemeinte Versiche­rung, die „wissenschaftliche Belehrung und willkommene materielle Beihil­fe“ verpflichte zu tiefempfundenem Dank, ist zweifellos ehrlich niederge­schrieben68). Trotzdem merkt man seinem gedruckten Bericht aus dem Jahre 1925 von der „Vertiefung unserer Kenntnisse der einschlägigen Bestände“69) die etwas mühsame Formulierung an. Anfang Januar 1921 waren der Umfang der relevanten Quellen und die Richtlinien für das Ausheben und Sammeln, mit einem Wort das Grundge­rüst für den ersten Arbeitsabschnitt, der nur von Beamten des Hauses durch­zuführen war, erstellt. Der Druck des Schriftverkehrs mit den auswärtigen Höfen vernachlässigte die Nieder­lande, Spanien, die italienischen Besitzungen Karls und das Reich, bezog aber die Schweiz, Böhmen und Ungarn ein (für die Zeitspanne 28. Juni 1519 bis 31. Dezember 1525 wurden die beiden letzteren Länder zum Ausland gezählt)70). Die zeitliche Grenze mit Ende 1525 sollte wahrscheinlich den Abschluß des ersten Bandes bedeuten. Daß man die Fülle der Dokumente weit unterschätzt hatte, war erst eine spätere Er­kenntnis. In einem Zug alle Akten bis 1556 zusammenzutragen, hätte einen unüber­blickbaren Aktenberg geschaffen, und wertvolle Arbeitszeit für die Endredaktion des ersten Bandes wäre verloren gegangen. Die beste Werbung für den Verkauf würde es sein, in Kürze das Erscheinen wenigstens der ersten Korrespondenz] ahre ankündigen zu können. Sobald als möglich mußte daher mit dem Kopieren begonnen werden71). Bittner und Mayr waren sich bestimmt dessen bewußt, welche Gefahren mit der An­lage eines Aktenselekts verbunden waren, d. h. daß geordnete Bestände zerrissen wer­den würden, und versuchten, durch verbindliche Anweisungen für Entnahme und Se- lektbildung vorzubeugen. In den den Archivaren zugeteilten Aktengruppen mußten nach deren Überprüfung nicht nur die fehlenden Folien, sondern auch der Zweck nachgewiesen werden. Jedem 66) Vgl. z. B. seine entscheidenen Zusätze zur Budgetlage ZI. 39/1923. 67) Bittner Das Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchiv in der Nachkriegszeit 196. — Über Fritz Reinöhl siehe Hüter Biographien 111 ff. 68) ZI. 642/1923. 69) Bittner Das Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchiv in der Nachkriegszeit 196. 70) ZI. 100/1921. 71) ZI. 3/1921.

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