Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 28. (1975) - Festschrift für Walter Goldinger

THOMAS, Christiane: Acta Extera Caroli V. Geschichte eines gescheiterten Archivunternehmens

Acta Extera Caroli V. 399 ä 600 Seiten geschätzt33), die alle Berichte, Weisungen, Noten und Brief­wechsel zwischen den Herrschern vom „Erscheinen“ Karls bis zu seiner Ab­dankung, soweit sie das Ausland betrafen34), bringen würden. Von vornher­ein war klar, daß die kaiserlichen Stellvertreter Margarete, Ferdinand, Maria und die „hinterlassenen“ Räte auch zum Kreis der Adressaten und Absender zu zählen waren. Hätten die Beamten hier nicht - allein in Erinnerung an die steckengebliebenen Monumenta Habsburgica und die Familienkorrespondenz Ferdinands I. und an die stockende Erscheinungsweise der jüngeren Serie der Reichstagsakten — Bedenken haben müssen? Wenn sie vielleicht skeptisch waren, so widersprachen sie doch nicht — es mochte inopportun sein, den helfenden Eifer der Förderin zu dämpfen und sie womöglich zu vergrämen. Da man praktisch zum Chmelschen Prinzip des Abdrucks ohne Kopfregest und ausführüchen Sachkommentar, ja sogar ohne eventuellen Drucknach­weis35) zurückkehrte, mochte man guten Glaubens sein, dieses immense Pro­gramm bewältigen zu können, bei dem es in erster Linie auf Schnelligkeit ankam. So wurde auf ein wissenschaftliches Vorwort verzichtet, eine kurze Einleitung sollte über das Zustandekommen der Bände Mitteilung machen. Auch der Wahl der englischen Sprache für Titel, alle Überschriften und den Index mit erklärenden Noten widersetzte man sich nicht, denn Mrs. Tyler, die den Großteil der Subskriptionen aus dem angelsächsischen Raum erwar­tete36), war anscheinend der Meinung, daß auf diese Weise ein größerer Kreis angesprochen werden würde. Zweifellos würde aber durch zeitraubendes Übersetzen ein rasches Vorwärtskommen verzögert werden. Daß von Wiener Seite keine Einwände erhoben wurden, bedeutet nicht, daß die Archivare sich der Problematik nicht bewußt waren. Man war aber kein gleichwertiger Verhandlungspartner, sondern der Wohltaten entgegennehmende und so zum Nachgeben gezwungene Teil. In der jahrelang mit Mrs. Tyler durch Archivdi­rektor Mitis und dessen Stellvertreter Bittner geführten offiziellen Korre­spondenz wurde nie auch nur ein Wort gegen die Sprachentscheidung laut, wohl aber machte Mayr 1924, zu einem Zeitpunkt, als der Druck schon sehr fraglich geworden war und eine offene Stellungnahme nicht mehr schaden konnte, seinem Unmut in einer internen Notiz Luft. Mit recht kräftigen Wor­ten - es sei „komisch“, z. B. schweizerdeutsche Texte durch englische Über­schriften in eine fremde Sprache „einzukleiden“, und „lächerlich“, womög­lich Zweisprachigkeit in Erwägung zu ziehen, sodaß z. B. „Acker an Sutor“ und darunter „Acker to Sutor“ zu lesen wäre — erklärte er, daß ausländi­33) wie Anm. 24. 34) Bittner (wie Anm. 24) sprach zwar in seinem Prospekt auch davon, die „inter­ne“ Korrespondenz (sowohl die Familienkorrespondenz als auch den Schriftwechsel mit den Behörden der dem Kaiser gehörenden Länder) einzuschließen, doch nahm schon die „Gremialsitzung“ am 5. Januar 1921 (ZI. 100/1921) davon Abstand. 35) Die Mitarbeiter legten jedoch bis Ende 1921 ein Verzeichnis aller früheren Druckwerke an: ZI. 1515/1921. Diese Literaturkartei ist noch heute erhalten. 36) ZI. 412/1921: Elesina Tyler an Franz Prinz Liechtenstein, 1921 März 17 Paris.

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