Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)

BENNA, Anna Hedwig: Zu den Kronen Friedrichs III

Zu den Kronen Friedrichs III. 41 einer weißen Mitra, deren Hörner allerdings, wie im Krönungsordo D zu­nächst nur für die Krönung der Kaiserinnen vorgeschrieben war 103), über den Schläfen des zu Krönenden standen. Über diese Mitra kam dann die goldene Krone, mit der Sigmund gekrönt wurde. Nach Columbanus de Pontremulo, der bei Schilderung der Kaiserkrönung Friedrichs III. auch die Mitra mit den Cornua über den Schläfen erwähnte, die Friedrich auf­gesetzt wurde, erscheint als zur Krönung benutzte Bügelkrone die Reichs­krone, von der der Sekretär des Mailänder Gesandten durch Gewährsmän­ner wußte, daß sie als Krone Karls des Großen galt104). Bei Prüfung sei­nes Berichtes erhebt sich nun die Frage: Reproduzierte Columbanus nur die liturgischen Anweisungen der Krönung oder wurde die Reichskrone, was technisch durchaus möglich war und was die Existenz einer weißen Infel im Inventar des Reichsschatzes von 1246 105) noch wahrscheinlicher macht, über eine Mitra, deren Hörner über den Schläfen des Gekrönten zu stehen kamen, währen Bügel und Stirnkreuz sich in dem Einschnitt zwischen den Schalen der Mitra befanden, gesetzt? Die Darstellung des Aeneas Silvius, die von einer „corona infulata“, aber auch von der Benützung des Ornates und der Insignien, darunter auch der „corona Caroli magni“ spricht106), bestätigt die Belege anderer Quellen über die Verwendung der Reichskrone bei der letzten Kaiserkrönung in Rom 1452. Friedrichs Gemahlin Eleonore wurde mit einer „corona infulata“, die schon zur Krönung der Kaiserin Barbara, Gemahlin Sigmunds, 1433 107) * 24 alba mitra capiti imposita, ita ut corona ejus ad timpora erigerentur, aurea desuper corona coronatus est.“ io») Eichmann Kaiserkrönung im Abendland 1 299 f; Johannes Porta de Annoniaco Liber de coronatione Karoli IV. imperatoris (MGH SS rerum Ger­manicarum in usum scholarum, hg. von Richard Salomon, Hannover 1913) 24 f, 28 f; B e n n a in MÖStA 25 327. i°4) Columbanus de Pontremulo in Codices manuscripti theologici 1/1 531: „Aureoque deinde dyademate manibus propriis summus pontifex eundem coronavit, ita ut eius cornua in mitra modum ad tempora verterentur. Aiunt, hanc qui coronam cognoverunt, eam fore, qua Karolus magnus priscis temporibus fuit insignitus, quam nemini absque summi pontificis iussu expres- soque sententia vertice gestare licitum est“; Martens Letzte Kaiserkrönung 84. — Es darf hier noch erwähnt werden, daß Earl E. Rosenthal Die „Reichskrone“, die „Wiener Krone“ und die „Krone Karls des Großen“ um 1520 in JbKS 66 (1970) 24, 26, 29 f, 41 f, 47 Zweifel an der Identität der seit dem Ende des 13. Jahrhunderts mit der Krone Karls des Großen gleichgesetzten Krone des Reichsschatzes mit der Reichskrone der Wiener Schatzkammer hegt und — allerdings ohne gesicherte Quellengrundlage — die Existenz einer zweiten in Nürnberg hinterlegten, in ihren Formen den Doppelbügelkronen des 15. Jahrhunderts ähnlichen Krone annahm. 105) vgl. oben Anm. 35. los) Aeneae Silvii Historia in Analecta monumentorum 2 291 f: „Postremo corona aurea infulata pretiosisque cooperta gemmis Caesareo capiti imposita“; vgl. oben Anm. 59. 107) Deutsche Reichstagsakten unter Kaiser Sigmund 1 (1410—1420) hg. von

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