Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)

BENNA, Anna Hedwig: Zu den Kronen Friedrichs III

36 Anna Hedwig Benna Friedrich III., der seine Wahl zum römischen König in der Liebfrauen­kirche von Wiener Neustadt am 9. Februar 1440 nach eigener Aussage mit der „czirhait, die darczu gehört“71) angenommen hatte, bestellte bei Nürnberger Goldschmieden, mit denen er schon einige Jahre in Verbin­dung stand 72), eigene Insignien, die aber bis zum Zeitpunkt seiner Krö­nung in Aachen, am 17. Juni 1442, nicht angefertigt wurden, ein Umstand, der dem König als Begründung seines Ansuchens um Entlehnung der in Nürnberg verwahrten Herrschaftszeichen diente73). Es ist anzunehmen, daß die in Auftrag gegebenen Insignien in den nächsten Jahren geliefert wurden. Friedrich war in den folgenden Jahren um die weitere Ausgestal­tung seiner königlichen Zierden bemüht. Er überwies seinem Diener, dem Nürnberger Bürger Lucas Kemnater74), das zu Martini des gleichen Jahres zu erwartende Steueraufkommen der Stadt Nürnberg zur Bezah­lung von „ettlich mercklich sach uns und das reich antreffend“75) und übergab ihm 1445, 1446 und zuletzt im Mai 1453 aus eigenen Beständen größere Mengen von Gold, Silber, Edelsteinen und Perlen sowie ein Hals­band zur Anfertigung eines goldenen und eines silbernen Kreuzes, einiger Bilder und anderer aus Gold und Silber anzufertigender Stücke. Die An­fertigung des bestellten goldenen Kreuzes dürfte die längste Zeit in An­spruch genommen haben, da Friedrich noch im Mai 1453 einen größeren Posten „Balaysen“, Saphire und Perlen aus seinen Juwelenbeständen, die beträchtlich gewesen sein müssen, zur Verfügung stellte 76 * 78). 71) Alphons L h o t s k y Zur Königswahl des Jahres 1440. Ein Nachtrag zu den deutschen Reichstagsakten in DA 15 (1959) 165; dsbe Die „Devise“ Kaiser Friedrichs 111. und sein Notizbuch in Alphons L h o t s k y Aufsätze und Vorträge hg. von Heinrich Koller und Hans Wagner 2 (Wien 1971) 197. 72) Vgl. JbKS 1 Reg. n. 47 (1436 Januar 5), n. 52 (1438 Mai 2); Lhotsky Geschichte der Sammlungen 2/1 55; Heinrich Kohlhaußen Nürnberger Goldschmiedekunst des Mittelalters und der Dürerzeit 1240 bis 1540 (Berlin 1968) 84, 510. 73) Vgl. oben S. 32. 74) Zu Lucas Kemnater vgl. Ulrich Thieme - Felix Becker (Hg.) Allge­meines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart 20 (Leipzig 1927) 137. 75) JbKS 1 Reg. n. 66 (1445 Juni 14); Chmel Regesta n. 1926; von Hermann Filiitz Kaiser Friedrich III. und die Bildende Kunst in Friedrich III. Kaiser­residenz Wiener Neustadt 186 und Kohlhaußen Nürnberger Goldschmiede­kunst 510 als Auftrag zur Anfertigung einer Garnitur kaiserlicher Insignien gedeutet. 78) HHStA Familienurkunden n. 582 (1445 September 22-1453 Juni 10), Pa- pierlibell mit Hängesiegel Kemnaters, fol. 2r: AEIOV mit Strich; JbKS 1 Reg. n. 67; Lhotsky Geschichte der Sammlungen 2/1 55. — Das von dem Nürn­berger Goldschmied Hans Schesslitzer 1454 vollendete goldene Kreuz wurde dem Kaiser von den Ratsfreunden Niklas Muffel und Georg Deurer auf vierspänni­gem Wagen 1454 nach Regensburg gebracht: vgl. Kohlhaußen Nürnberger Goldschmiedekunst 84. — Zu Hans Schesslitzer vgl. Albert G u m b e 1 Hans Schesslitzer genannt Schnitzer und Peter Raczko, die Goldschmiede der Nürn-

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