Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)

NECK, Rudolf: Sammelreferat. Geschichte der Arbeiterbewegung

Rezensionen 499 nale“, schreibt G., „ist eine gewaltige Kraft: Einmal irregeleitet, läßt es sich nur schwer korrigieren. Das Geschichtsbewußtsein der Großgruppe wird indessen nicht von der wissenschaftlichen Historiographie formuliert, sondern von dem, was Pädagogen aus den Ergebnissen der Geschichtsfor­schung als besonders wertvoll und erzieherisch in Lesebücher und Unter­richtstexte aufnehmen, oder von dem, was Massenmedien in die Öffent­lichkeit tragen“ (S. 216). Gs Buch ist ein Versuch, mit eben diesen Mitteln der Massenmedien einen Weg aus dem Gestrüpp der Erbfeindschaft zu markieren. Es ist daher durchaus akzeptabel, daß er auf einen umfang­reichen wissenschaftlichen Apparat verzichtet hat, denn es geht hier nicht um Historiographie, sondern um Popularisierung einer Korrektur des Geschichtsklischees, und diese Korrektur ist nur über eine wahrhaftige Einsicht in die eigene Vergangenheit möglich. „Die Wahrheit führt zuein­ander“ (S. 230), — diesem Schlußsatz ist nichts weiter hinzuzufügen. Richard Blaas (Wien) RECHT, VERFASSUNG Stadt und Stadtherr im 14. Jahrhundert. Entwicklungen und Funktionen (Bei­träge zur Geschichte der Städte Mitteleuropas 2). Hg. von Wilhelm Rausch im Auftrag des österreichischen Arbeitskreises für Stadtgeschichtsforschung. J. Wimmer, Linz/Donau 1972. XIV, 400 S., 11 Textabb., 2 Faltpläne. Wenn Herbert Knittler (Stadtgeschichtsforschung in Österreich. Ent­wicklung, Aufgaben und Probleme, S. 379—400) feststellt, daß die „Stadt­geschichtsforschung nach europäischen Maßstäben“ (S. 379) in Österreich noch weit hinter den Bestrebungen anderer Länder zurückliegt, so schei­nen Thematik und Inhalt des vorliegenden Bandes dazu angetan, diesen Vorsprung zu vermindern. Der Österreichische Arbeitskreis für Stadtge­schichtsforschung, der 1969 als Gemeinschaft aller Historiker gegründet wurde, die in Österreich mit der Erforschung des Phänomens der Stadt in allen ihren Lebensbereichen befaßt sind, war gut beraten, als er sich entschloß, die Fortführung der Reihe Beiträge zur Geschichte der Städte Mitteleuropas zu übernehmen. Nachdem das vom Archiv der Stadt Linz 1961 veranstaltete Symposion — im Druck als Band 1 einer Serie erschie­nen, die bis zur Darstellung der Situation der Stadt in der Gegenwart reichen soll — seine Aufmerksamkeit den Städten im 12. und 13. Jahr­hundert zugewandt hatte, werden nun die Vorträge der Linzer Tagung von 1971 über die Rolle der Stadt im 14. Jahrhundert wiedergegeben. Allerdings ist ein wesentlicher Unterschied zur vorangegangenen Publi- ' kation festzuhalten: Es sollte nicht nur reine Stadtgeschichte, isoliert von allen anderen mitwirkenden Faktoren des zur Diskussion stehenden Zeit­raums geboten, sondern versucht werden, die Geschichte der Stadtherr­schaft einzubeziehen. Zur Besprechung des geschichtlichen Ablaufs tritt also das Bemühen, das Verhältnis der Stadt zu ihrem Stadtherren und um­gekehrt zu klären —, diese Akzentverlagerung trachtet der Untertitel „Entwicklungen und Funktionen“ anzukündigen. 32*

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