Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)
NECK, Rudolf: Sammelreferat. Geschichte der Arbeiterbewegung
494 Literaturberichte Diese Einwände, die sich sicher noch vermehren ließen, können aber den gesamten Eindruck nicht beeinflussen, vor allem nicht die Erkenntnis der weitgehenden Fortschritte, die inzwischen in Ungarn auf dem Gebiet der Wirtschafts- und Sozialgeschichte gemacht wurden. Im Gegensatz zur nationalen magyarischen Geschichtsschreibung der vergangenen Generationen werden die Österreicher und auch die Habsburger nicht mehr als grundsätzliche Ungarnfeinde gesehen, die gesamteuropäischen Verflechtungen werden besser gewürdigt. So wird bei der Schilderung des Zollsystems Maria Theresias bereits betont, daß Ungarn dadurch nicht auf den Status einer überseeischen Kolonie herabgedrückt wurde, sondern daß die Zeitgenossen darin nur „eine Art von Kolonialstatus“ erblicken mußten (S. 225). Leider wurde dann dieses Kapitel trotzdem mit dem Titel „Kolonialistische Wirtschaftspolitik“ versehen. Joseph II. wird kurz, aber erstaunlich objektiv behandelt, seine Reform wird mit Recht als „gigantisches Experiment“ bezeichnet. Wieso allerdings sein Plan einer allgemeinen Grundsteuer, die die adelige Steuerfreiheit beseitigt hätte, nicht erwähnt wird, ist unerklärlich, da sie doch neben der Sprachenverordnung die Hauptursache der ungarischen Opposition gebildet hat. Sogar die Nationalitätenpolitik Kossuths wird einer scharfen und berechtigten Kritik unterzogen (S. 287). Die Übersetzung ist im allgemeinen gut, freilich werden an einigen Stellen Fachausdrücke durch Verdeutschung unverständlich. So kann man etwa statt „Konskription“ nicht „Zusammenschreibung“ sagen, um nur eines von vielen Beispielen zu nennen (S. 237). Zusammenfassend kann betont werden, daß die neue Geschichte Ungarns für die österreichische Forschung, vor allem für die Neuere Zeit, ein wertvolles Hilfsmittel darstellt, das sie veranlassen kann, viele Probleme der gemeinsamen Geschichte auch vom ungarischen Standpunkt her neu zu überdenken. Hoffentlich folgt diesem Werk bald ein ausführlicheres über die ungarische Gesamtgeschichte, das ohne größere Lücken die in den letzten Jahrzehnten von den ungarischen Historikern geleistete Detailforschung insgesamt besser zum Ausdruck bringt. Hans Wagner (Salzburg) Ernest Bauer Drei Leopardenköpfe in Gold. Österreich in Dalmatien. Verlag Herold, Wien—München 1973. 302 S., 24 Abb. Der vorliegende Band schließt die „Kroatische Trilogie“ Bs ab und ist deren umfangreichster Teil geworden. Der Untertitel ist etwas irreführend, denn immerhin behandelt fast ein Drittel des Buches die Frühgeschichte des Landes, die Zeit der nationalkroatischen Fürsten und Könige vom neunten bis zum elften Jahrhundert und vor allem die Zeit der venezianischen Herrschaft ab dem fünfzehnten Jahrhundert. Der politischen Sonderentwicklung Ragusas (Dubrovniks) wird ein eigenes Kapitel gewidmet. Ebenso wird die Zeit der französischen Herrschaft, die Dalmatien mit den Ideen der französischen Revolution vertraut machte und mit Wehrbauten das Antlitz einiger Inseln und mancher Städte veränderte, gebührend berücksichtigt. Der Hauptteil behandelt dann Dalmatien als österreichisches Kronland 1797 bis 1805 und 1814 bis 1918. Diese Kapitel