Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)

BENNA, Anna Hedwig: Zu den Kronen Friedrichs III

24 Anna Hedwig Benna ihrer Unterscheidung nach Erwerbsart als Pfand oder Depositum, nach Rechtsqualität als Staatskronen mit Reliquiencharakter und persönliche Kronen, nach ihrer Form als Bügel- und Mitrenkronen unwillkürlich auf. Von all diesen Kronen sind nur zwei, die zu den Krönungen Fried­richs in Aachen 1442 und in Rom 1452 aus ihrem Verwahrungsort Nürn­berg entlehnte Reichskrone in der Wiener Schatzkammer und die von Friedrich nach Übernahme der Vormundschaft über seinen Neffen Ladis­laus Postumus als Depositum verwahrte und 1463 an die ungarischen Stände übergebene Stephanskrone, auf uns gekommen. I Die Krone der Königin Elisabeth von Ungarn, mit der sie am gleichen Tag wie ihr Gemahl Albrecht II. mit der Stephanskrone am 1. Jänner 1438 zur Königin von Ungarn gekrönt worden war6), gelangte, nachdem sie von Elisabeths Kammerfrau Helene Kottanerin aus ihrem Verwahrungs­ort zusammen mit dem Halsband und anderen Kleinodien der Königin entwendet und Elisabeth auftragsgemäß überbracht worden war 7), nach vorübergehender Verpfändung an Stefan Eiczinger 8) in die Hände Fried­richs III., von dem die Königinwitwe ein Darlehen nahm9). Eine Auslö­sung dieses Pfandes erfolgte in den folgenden Jahren, in denen Elisabeth weitere Darlehen vom römischen König nahm, offenbar nicht. Erst 1455 erhob König Ladislaus unter anderem den Anspruch auf Rückgabe der seinerzeit gegen 2500 ungarische Goldgulden von seiner Mutter dem Kai­ser zu Pfand gesetzte „kunicliche guideine crone“ mit der Begründung, die Pfandschuld sei längst aus den Einkünften Österreichs getilgt wor­den 10 *). Diese Krone wurde nie an Ladislaus zurückgegeben u). Wir ken­6) Wilhelm Wostry König Albrecht II. (1437—39) 1 (Prager Studien aus dem Gebiete der Geschichtswissenschaft 13, Prag 1906) 54; Thomas Ebendor- f e r Chronica Austriae (MGH SS rerum Germanicarum n. s. 13, hg. von Alphons Lhotsky, Berlin—Zürich 1967) 375; Josef Deér Die Heilige Krone Ungarns (Österreichische Akademie der Wissenschaften, Denkschriften 91, Wien 1966) 242, 245. 7) Karl M o 11 a y Die Denkwürdigkeiten der Helene Kottanerin. Die ältesten deutschen Frauenmemoiren (1439—1440) in Arrabona 7 (1965) 249 Anm. 36, 260; Deér Heilige Krone 242. 8) JbKS 1 (1883) Reg. n. 58 (1440 Mai 8); Lhotsky Geschichte der Samm­lungen 2/1 51; Mollay Denkwürdigkeiten 236; Deér Heilige Krone 239; Bri­gitte Haller Friedrich III. und die Stephanskrone in MÖStA 26 (1973) 97. 9) JbKS 1 Regg. n. 59 f (1440 August 23); Lhotsky Geschichte der Samm­lungen 2/1 51 Anm. 17; M o 11 a y Denkwürdigkeiten 290 Anm. 153. i°) JbKS 1 Reg. n. 82 (1455); Lhotsky Geschichte der Sammlungen 2/1 53 Anm. 37; D e é r Heilige Krone 242. ii) Ebenda.

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