Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)

HLAVAC, Franz: Die Armeereorganisation der Jahre 1881–1883 in der Donaumonarchie

Armeereorganisation 1881—1883 243 Inner-Österreicher, einen vorzüglicheren leichten Reiter als den Husaren, einen kaltblütigeren Kanonier als den Böhmen, einen fahrtüchtigeren Matrosen als den Dalmatiner habe kein anderes Land aufzuweisen“ *3). Man dürfe diese trefflichen Elemente nicht „schablonenmäßig verwenden und beispielsweise aus den „rohesten Volksstämmen“ nicht technische Unteroffiziere machen. All dies müsse man bei einer Neuorganisation berücksichtigen. Um die „Gebrechen der Infanterie“ zu beheben, schlug Albrecht vor, sämtliche Infanteriebataillone in Regimenter zu 3 Bataillonen einzuteilen, weiters die Ergänzung von je zwei Regimentern aus einem Ergänzungsbezirk („Doppelregi­menter“), von denen jeweils eines im Ergänzungsbezirk und das andere aus­wärts liege, jedoch nach einigen Jahren ausgetauscht würde. Die Einteilung und Gruppierung der Kavallerie und Artillerie müsse sich nach derjenigen der Hauptwaffe richten. Mit wenigen Änderungen könne man 15 Korps zu je zwei Divisionen bilden. Der Umstand, daß die eben beendete Volkszählung in beiden Reichshälften Verschiebungen in den Ergänzungsbezirken unerläßlich machen werde, lasse den jetzigen Zeitpunkt als sehr günstig für eine Änderung erscheinen. Ebenfalls im April verfaßte der Vorstand der Militärkanzlei und bereits designierte Chef des Generalstabes FML Beck* 14) eine Studie über die Mittel zur Beseitigung jener Übelstände in der Dislokation und Ordre de bataille der Armee, welche eine rasche Mobilisierung und einem beschleu­nigten Aufmärsche im Wege stehen 15): Die Hauptschuld an den zur Zeit unbefriedigenden Verhältnissen gab Beck der exterritorialen Dislokation und der bestehenden Heeresgliederung in General­und Militärkommandobereiche von ungleichem Umfang, die mit den erst im Kriegsfall aufzustellenden Armeekorps für die mobilen Armeen nicht überein­stimmten. Die geringe Leistungsfähigkeit der Eisenbahnen und die umfangrei­chen Pferdetransporte seien ebenfalls schuld an der Verzögerung des Aufmar­sches. Nachgewiesenermaßen bringe das Territorialsystem die geringsten Frik­tionen für eine Mobilisierung mit sich, doch biete die Zusammensetzung der Monarchie aus sehr heterogenen, auf verschiedenen Kulturstufen stehenden Völkerschaften und die Wehrverfassung große Schwierigkeiten. Man müsse also die Anwendungsmöglichkeiten des Territorialsystems auf die Monarchie prüfen, wobei durchgreifende Änderungen des Wehrsystems und der Grundformen der Organisation sowie ein finanzieller Mehraufwand möglichst zu vermeiden wä­ren. Beck schlug vor, die bestehenden Militärterritorialbehörden in Korpskomman­den mit gleicher Friedens- und Kriegsgliederung umzuwandeln; die Monarchie in Korpsbereiche von annähernd gleichem Größenumfang einzuteilen; die Frie­denskorps aus allen Stäben, Gruppen, Trainabteilungen und Anstalten zusam­menzusetzen, die im Mobilisierungsfall das Korps bilden. !3) Ebenda. 14) Zu diesem Zeitpunkt war der Chef der Militärkanzlei bereits der desig­nierte Nachfolger Schönfelds. Vgl. Edmund v. Glaise-Horstenau Franz Josephs Weggefährte. Das Leben des Generalstabschefs Beck nach seinen Auf­zeichnungen und Dokumenten (Wien 1930) 248—255; Wagner Kriegsmini­sterium 2 201—206. 15) KA MKSM 65-2/7 ad (nachträglich registriert) ex 1881. 16*

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