Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)
HLAVAC, Franz: Die Armeereorganisation der Jahre 1881–1883 in der Donaumonarchie
Armeereorganisation 1881—1883 239 fähigkeit. Die Erfahrungen des Feldzuges von 1870 gaben den kontinentalen Großmächten den Anstoß, ihre Armeen umzuorganisieren, und dabei wurden neben der absoluten Verstärkung der Wehrmacht auch alle jene Faktoren berücksichtigt, die geeignet schienen, eine größtmögliche Steigerung der Kriegsbereitschaft herbeizuführen. Ebenso waren die leitenden Militärbehörden Österreich-Ungarns bestrebt, durch Weiterentwicklung und Vervollkommnung der eigenen Heereseinrichtungen die Wehrfähigkeit der österreichisch-ungarischen Armee zu heben und damit die Kriegsbereitschaft zu steigern. Die beiden Grundfaktoren, von denen die Kriegsbereitschaft abhing, waren erstens durch die Leistungsfähigkeit der Haupteisenbahnlinien und zweitens durch die Organisation und die administrativen Maßnahmen für die Mobilisierung gegeben. Ein bereits 1870 angeordnetes und von einem „Central-Komitee“ ausgearbeitetes Memoire2) sowie Elaborate in den folgenden Jahren und die Ausarbeitung konkreter Kriegsfälle gaben Richtlinien zur Verbesserung: Die Hauptschuld an den unbefriedigenden Verhältnissen sah man a) in der exterritorialen Dislokation — d. h. Friedensstandorte der Truppen außerhalb der Bezirke, aus denen sie sich ergänzen — und b) in der bestehenden Heeresgliederung in General- und Militärkommandobereiche von ungleichem Umfang, die mit den erst im Kriegsfall aufzustellenden Armeekorps für die mobilen Armeen nicht übereinstimmten. I Das jeweilige Aufmarschelaborat ist im Frieden in den meisten Beziehungen der einzig verläßliche Prüfstein zur Beurteilung des Wertes der Heereseinrichtungen und Kriegsvorbereitungen. Darum lassen sich an Hand dieser Elaborate nicht nur die innerhalb einer gegebenen Periode erzielten Fortschritte zutreffend feststellen, sondern auch wertvolle Erkenntnisse für die Steigerung der militärischen Kraft gewinnen. Die mit allerhöchster Resolution vom 31. August 1880 3) angeordnete Revision der aus der Mitte der siebziger Jahre stammenden konkreten Aufmarschvorarbeiten für den Kriegsfall Rußland löste die Armeeorganisation aus. Das am 15. Dezember durch FML Schönfeld ausgearbeitete Memoire über die Revision respektive Neubearbeitung des Kriegsfalles mit Rußland, das 2) Kriegsarchiv Wien (fortan zit. als KA) Kriegsministerium (= KM) Präs 16—13/4 ex 1870 (Konz.); Militärkanzlei Seiner Majestät des Kaisers (—MKSM) 64—1/3 n. 11 ex 1871 (Auszug mit Resolution und Orig, des Memoires). — Vgl. zuletzt Franz Hlavac Die Armeereorganisation der Jahre 1881—1883 in der Donaumonarchie (phil. Diss. Wien 1973). ä) KA KM Präs 76-5/11 ex 1880.