Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)
SAUER, Manfred: Zur Reform der österreichischen Levante-Konsulate im Vormärz
220 Manfred Sauer ralkonsulat abzutreten. Das Gubernium und der Internuntius legten in Gutachten dar, daß im Anstellungsdiplom Picciottos zwar keine Klausel über die Gebührenteilung enthalten sei, dem Generalkonsul jedoch die Einhebung der Gebühren zustehe, die wegen der Lage Aleppos nur durch untergeordnete Beamte erfolgen könnte. Der Internuntius verwies aber auch darauf, daß die Ämter an der syrischen Küste ohnehin immer an wohlhabende Kaufleute verliehen worden wären, die auf diese Einkünfte nicht angewiesen waren und nur höheres Ansehen bei den lokalen Behörden gewinnen wollten102 *). Die Einnahmenteilung blieb daher aufrecht. Die Bedeutung Aleppos war während der Herrschaft Mehmed Alis ohnehin stark gesunken, da für ganz Syrien eine Zentralverwaltung mit dem Sitz in Damaskus eingerichtet worden war. Der Generalkonsul geriet mit dem ägyptischen Feldherrn Ibrahim Pascha in schwere Gegensätze, da er in seinem Amt zahlreiche Personen beschäftigte und immer wieder Schutzbriefe ausstellte: Die Konsulatsangestellten und die Schutzgenossen wurden damit der ägyptischen Gerichts- und Finanzhoheit entzogen, überdies waren Mehmed Ali und Ibrahim den Juden nicht freundlich gesinnt!03). Als auch andere österreichische Konsuln in Syrien aus ähnlichen Gründen in Opposition zur ägyptischen Verwaltung gerieten 104) und Klagen der Europäer über Bedrückungen in Alexandria einliefen, sandte Laurin den zweiten Dolmetsch Lapi nach Syrien. Der Vizekönig selbst hatte um diese Maßnahme ersucht, da er einen Kommissär zur Überprüfung der Beschwerden in diese Provinz delegierte 105 106), aber die Gegensätze konnten nie gänzlich beseitigt werden, da die europäischen Schutzgenossen sich mit der ungewohnt straffen ägyptischen Verwaltung nicht abfinden wollten. Lapi wurde daher 1836 wieder nach Syrien gesandt; er sollte die Interessen Österreichs bei den Zentralbehörden in Damaskus vertreten, und alle österreichischen Konsulate in Syrien wurden aufgefordert, nur noch über Lapi mit dem Generalgouvernement zu verhandeln loe). Laurin plante sogar, Lapi als besoldeten Konsul in Damaskus aufzustellen, die österreichische Staatsverwaltung entschied sich aber für einen anderen Bewerber. Bereits 1835 hatte Caspar Merlato, ein Versicherungsagent aus Triest, um einen Posten als Konsul in Damaskus oder an einem anderen Ort in der Levante angesucht und sich sogar bereiterklärt, das Amt in der syrischen Hauptstadt ohne Bezahlung zu übernehmen. Mit kaiserlicher Entschließung vom 16. Juli 1836 wurde Merlato zum Konsul in Damaskus 102) fa Kommerz 17 1835/131, April und 40, Juli, los) HHStA Türkei VI 64: Bericht 1835 Oktober 28. lói) HHStA Griechenland 1: Bericht 1835 Dezember 19. los) Ebenda: Bericht 1835 November 6. 106) FA Kommerz 17 1836/151, Februar.