Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)

SAUER, Manfred: Zur Reform der österreichischen Levante-Konsulate im Vormärz

Levante-Konsulate im Vormärz 217 mehrere Male Unterstützungszahlungen gewährt worden waren, forderte die Hofkammer den Vizekonsul 1842 auf, sich um andere Erwerbsquellen umzusehen83). Der Internuntius erwog, Stiepovich nach Adalia zu ver­setzen, aber ein Gutachten des Generalkonsulates Smyrna stellte die Er­richtung einer Vertretung in diesem Hafen als zwecklos dar84). Der Vizekonsul wurde in Tschesme belassen, wo sein Jahreseinkommen aller­dings auf etwa 100 fl gesunken war 85). In ähnlich übler Lage befand sich Anton Giulianich, der österreichische Vizekonsul in Rhodos, der zu seinem Lebensunterhalt zeitweise auf die Mildtätigkeit der Franziskaner angewiesen war 86). Nach einem An­suchen um Unterstützung legte das Gubernium dem Vizekonsul nahe, auf sein Amt zu verzichten, da für dieses keine Besoldung vorgesehen war. Um dem betagten Giulianich nicht seine Erwerbsquelle zu nehmen, be­ließ ihn die Hofkammer trotz seiner mangelhaften Vorbildung auf seinem Posten, bis er 1847 starb 87). Questieux reichte 1834 um seine Pensionierung ein, 1835 wurde ihm ein sechsmonatiger Urlaub bewilligt, damit er sich nach Österreich in ärztliche Behandlung begeben könne; der Generalkonsul blieb jedoch in Smyrna und suchte neuerlich um Pensionierung an. Da sich aber der Gesundheits­zustand des Generalkonsuls bedenklich verschlimmert hatte, sandte der Internuntius den Dolmetschgehilfen Heinrich von Testa als Konsulatsver­weser nach Smyrna, der bei seinem Eintreffen feststellen mußte, daß Questieux verstorben war88). Testa ordnete den Nachlaß89); sobald er Einblick in die Amtsführung gewonnen hatte, beantragte er, das unter­geordnete Personal fest anzustellen90). Der Internuntius aber drängte vorerst auf eine Neubesetzung des Amtes, da er Testa nicht längere Zeit entbehren konnte 91). Durch kaiserliche Entschließung vom 17. November 1835 erhielt Wilhelm von Chabert, Konsul in Saloniki, das Amt in Smyrna anvertraut und trat 1836 seinen neuen Posten an 92). 1838 wurde die Kanzlerstelle des Generalkonsulates zu einem k. k. Beamtenposten er­klärt und mit dem Gubernialkonzipisten Ritter von Stahl besetzt93). 83) HHStA Türkei VIII 11: Bericht 1838 April 18; FA Kommerz 11 1841/ 1381, September und 1843/2032, Dezember. s4) HHStA Türkei VIII 16: Bericht 1841 Juli 21; VIII 17: Bericht 1842 Jänner 26. 85) FA Kommerz 11 1843/1740, Oktober. 86) HHStA Türkei VIII 13: Bericht 1839 Oktober 23. 87) FA Kommerz 11 1841/369, März und 521, März; 1847/712, April. 88) FA Präs. 1834/6804; 1835/929, 1133, 1631, 3714, 3750. 89) FA Präs. 1835/3921. ") HHStA Türkei VIII 8: Bericht 1835 Juni 24. 91) Ebenda: Bericht 1835 August 19. 92) HHStA Administrative Registratur F 4/49: Wilhelm von Chabert; FA Präs. 1836/6636. 93) FA Präs. 1838/6679; 1839/7282.

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