Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)
THOMAS, Christiane: „Moderación del poder“. Zur Entstehung der geheimen Vollmacht für Ferdinand I. 1531
Moderation del poder 127 K 10: ,,Au regard des tiltres plus haults, comme de duc, prince, marquis, contes, barons et aultres semblables dignitéz, l’empereur desire estre consulté et advisé par led. S. roy, avant qu’ilz se depeche[nt]“. G 6: „Quant aux tiltres plus haults, comme de duc, prince, marquis et autres semblables dignitéz, l’empe- reur desire ... se depeschent, si le temps et l’exigence le souffrent.“ Zunächst wird Ferdinand im Grunde verweigert, Würden des höheren Adels zuzuerkennen, denn eine Verständigung und Konsultation Karls können ein Nein bringen. Der König wird nie Kandidaten durchsetzen können, die für die Anliegen Karls keine Rolle spielen. Ungebunden ist Ferdinand nur dann, wenn der einfache Adel zur Debatte steht. Die Streichung der beiden Kategorien der Grafen und Freiherren durch Gran- vella sprengt den festgeschlossenen Block und gewährt Ferdinand einen gewissen Spielraum, außergewöhnliche Verdienste entsprechend zu würdigen. Von der freien Verfügbarkeit über alle Titel (n. 457 a/17) ist man trotzdem weit entfernt! Die hinzugefügte Schlußwendung ,,si le temps et l’exigence le souffrent“ schafft hier Erleichterung: Ferdinand hat die Möglichkeit der selbständigen Willensäußerung. Granvella arbeitet mit den dehnbaren Begriffen von Dringlichkeit und Gewicht einer Angelegenheit. Eine Verständigung Karls vor Ausstellung eines Adelspatentes erfolgt nur dann, wenn in absehbarer Zeit ein kaiserlicher Entscheid ein- treffen kann. Ähnlich heißt es für die Kompetenz, die Reichsacht zu verhängen: K 12: „Aussi pourra le roy faire declairer et mectre au ban imperial selon l’exigence des caz, mais qu’il regarde soigneusement de non y proceder pour causes qui ne soyent d’importance, mesmes contre per- sonnaiges, villes ou lieux d’importance et dönt pourroit soudre inconvenient. Et en ce cas desire S. M. en estre preallablement advertye par led. S. roy.“ G 8: „Aussi sera bien que le roy aye bon regard de non facillement souffrir parvenir á declaracion de ban pour causes qui ... inconvenient. Et si le temps et les affaires le donnent, desireroit l’empereur en estre preallablement adverty.“ Beide Fassungen lassen zwar keinen Zweifel daran, daß diese Strafe gegen bedeutende Persönlichkeiten und Städte nach Tunlichkeit nicht angewandt werden sollte, ganz so, als ob nach n. 457 a/6 die Gefahr bestünde, Ferdinand würde wahllos und unkritisch Vorgehen. Doch wiederum wird ständiges Ansuchen bei Karl durch die Intervention des Kanzlers vermieden. Wechselseitige Korrespondenz wird sinnlos, wenn Ereignisse, die Belohnung oder (im Fall der Acht) Bestrafung verdient haben oder Beste