Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)

THOMAS, Christiane: „Moderación del poder“. Zur Entstehung der geheimen Vollmacht für Ferdinand I. 1531

Moderación del poder 113 haben würde, hätte man nur davon Kenntnis gehabt53). Deutlicher noch drückte sich der Landgraf aus, der dem Siebenbürger empfahl, sich dem Schutz der deutschen Stände zu unterstellen54). Unterspickt waren die Ausführungen der Zapolya-Partei mit furchterregenden Nachrichten über Anmarschpläne des Sultans mit vier Heeren und Munitionssammlungen in Konstantinopel55). Zweifellos war Ferdinand über türkische Invasions­gelüste besser informiert. Was ihm sein Agent in Ragusa, Bucignolo, mit­teilte, war allerdings nicht dazu angetan, sich in Sicherheit zu wiegen 56). Um wirksame Gegenmaßnahmen vorbereiten zu können, brauchte er — soweit es die „eylend hilff wider den Turcken“ 57) des Reichs betraf — die entsprechenden kaiserlichen Mandate, die Karl ihm vorenthielt58). Von der sich im Osten zuammenbrauenden Gefahr zurück ins Reich: Phi­lipp von Hessen, der „bedeutendste“ deutsche „Gegenspieler“ Karls59), hatte bereits 1527 und wiederum 1529 ergebnislos gegen Ferdinands Wahl agitiert 60). Zu Beginn des Jahres 1531 waren die Kontakte zu Bayern und Zapolya nicht die einzigen Eisen im Feuer, die zum Schaden des Hauses Österreich geschmiedet wurden. Das mächtigste Instrument, dessen sich Philipp und in erster Linie Johann von Sachsen bedienten, war die Ver­sammlung der protestierenden Fürsten, die Johann für den 22. Dezember 1530 nach Schmalkalden einberufen hatte, um als ersten Punkt über die knapp bevorstehende Wahl und deren Bekämpfung konferieren zu las­sen 61). Tenor der am 24. und 25. Dezember an den Kaiser und die Kur­fürsten abgeschickten Einsprüche war das Hervorkehren der Goldenen 53) M u f f a t Correspondenzen und Aktenstücke 87 f, 117 f. 54) Winckelmann Schmalkaldischer Bund 83. 65) M u f f a t Correspondenzen und Aktenstücke 92, 107. Auch Karl war von Gritti unterrichtet worden, daß Wien, Mähren, Schlesien, Böhmen und Italien verheert werden sollten: Karl an Ferdinand, 1531 März 4 Brüssel: FK 51 n. 460/1. 59) Christine Turetschek Die Türkenpolitik Ferdinands I. von 1529— 1532 (Dissertationen der Universität Wien 10, Wien 1968) 206 f und 206 Anm. 1. 57) Karl an Ferdinand, 1531 Februar 10 Brüssel: FK 34 n. 457 b/3; vgl. Wolf­gang Steglich Die Reichstürkenhilfe in der Zeit Karls V. in Militärgeschicht­liche Mitteilungen 11 (1972) 45. 58) Siehe oben S. 109. 59) Franz Petri Nordwestdeutschland im Wechselspiel der Politik Karls V. und Philipps des Großmütigen von Hessen in Zeitschrift des Vereins für hessi­sche Geschichte und Landeskunde 71 (1960) 38. 60) Johannes Kühn Landgraf Philipp von Hessen. Der politische Sinn der sogenannten Packschen Händel (1528—1928) in Staat und Persönlichkeit. Erich Brandenburg zum 60. Geburtstag (Leipzig 1928) 110; Herbert Grundmann Landgraf Philipp von Hessen auf dem Augsburger Reichstag 1530 in Aus Reichs­tagen des 15. und 16. Jahrhunderts (Schriftenreihe der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften 5, Göttingen 1958) 350, 375. 61) Winckelmann Schmalkaldischer Bund 49—56; Fabian Entstehung des Schmalkaldischen Bundes 66, 68; Müller Kurie 135 f. Mitteilungen, Band 27 8

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