Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 26. (1973)

AUER, Leopold: Egon Schiele und das Heeresmuseum

Schiele und das Heeresmuseum 457 Die näheren Umstände der Zuteilung Schieies an das Heeresmuseum sind bisher unbekannt geblieben. Aus einem Schreiben des Museumsdi­rektors Wilhelm John vom 23. Oktober 1917, in dem um die Abkomman­dierung ersucht wurde5), hat man geschlossen, daß es auch wirklich noch im Oktober dazu gekommen sei6). Zwei im Nachlaß Johns im Heeres­geschichtlichen Museum erhaltene Briefe Schieies sowie die Akten des Kriegsarchivs, die bisher zu dieser Frage noch nie ausgewertet wurden, revidieren jedoch diese Ansicht7). Der erste Kontakt zwischen Schiele und dem Heeresmuseum ergab sich vermutlich durch den gleichfalls dorthin abkommandierten Dr. Fried­rich König, den Schiele von Mühling kannte8); im folgenden Jahr betei­ligte er sich an der vom Heeresmuseum organisierten Kriegsausstellung im Kaisergarten. Die unmittelbare Verbindung zu John dürfte dann der Maler und Bildhauer Ernst Wagner hergestellt haben, der Schiele ver­sprach, sich für ihn einzusetzen 9). In einem Brief vom 16. Oktober 1917 10 *) bat er den Direktor des Heeresmuseums, Schiele gleich Faistauer durch eine Kommandierung an das Heeresmuseum eine Fortsetzung seiner künstlerischen Arbeit zu ermöglichen. Gleichzeitig hatte sich auch der Leiter der österreichischen Galerie im Belvedere, Franz Martin Haberditzl, der erste, der ein Bild Schieies für ein österreichisches Museum ankaufte, sowohl bei John wie auch im Mini­sterium für Kultur und Unterricht für Schiele eingesetzt. Auf seinen Rat u) wandte sich Schiele selbst mit einem Gesuch um Befürwortung seiner Kommandierung an das Ministerium, die noch im November er­folgte, worauf John am 11. Dezember ein entsprechendes Gesuch an das Reichskriegsministerium richtete 12). 5) Ebenda 73 und 80. 6) So im Anm. 1 erwähnten Katalog 46 n. 150 und auf ihn und Fischer gestützt auch das jüngst erschienene grundlegende Buch von Rudolf Leopold Egon Schiele. Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen (Salzburg 1972) 16. 7) Vgl. die im Anhang edierten Briefe Schieies. Für die Möglichkeit zur Veröffentlichung sowie der Benützung des Schiele-Archivs der Albertina möch­te ich an dieser Stelle den Direktoren, Hof rat Dr. Johann Christoph Allmayer- Beck und Hofrat Dr. Walter Koschatzky, sehr herzlich danken, allen Beamten des Heeresgeschichtlichen Museums außerdem für die freundliche Aufnahme während meines Präsenzdienstes. Die Kenntnis der Akten des Kriegsarchivs verdanke ich meinen Kollegen Archivoberrat Dr. Walter Wagner und Archivrat Dr. Erich Hillbrand. 8) Vgl. die Eintragung im Kriegstagebuch vom 7. Mai 1916: C omini Schie­les Kriegstagebuch 99. «) Brief Wagners an Schiele vom 11. Oktober 1917: Graphische Sammlung Albertina, Wien. 10) Original im Nachlaß John: Heeresgeschichtliches Museum, Wien. u) Brief Haberditzls an Schiele vom 26. Oktober 1917: Graphische Samm­lung Albertina. i2) Kriegsarchiv Wien KM 1917-2 St, 19/273; als Beilagen das Gesuch Schie-

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