Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 26. (1973)
BROUCEK, Peter: Kronprinz Rudolf und k. u. k. Oberstleutnant im Generalstab Steininger. Eine kleine Ergänzung zur Mitis-Biographie
Kronprinz Rudolf und Obstlt. Steininger 447 noch weit mehr sich selbst gelobt und in der cynischesten Weise über seine Eltern und seine Frau geschimpft hatte, schloß er diese erbauliche Conversation mit den zwei unsauberen Frauenzimmern. Alles konnte ich Ihnen nicht schreiben, es ließe sich das nur erzählen; einige Bemerkungen über Personen und Verhältnisse bei uns sind so übereinstimmend mit dem Gedankengang des Prinz Wilhelm, daß ich das ganze als baare Münze annehmen muß. Als Commentar dazu muß ich Ihnen auch noch erwähnen, daß ich schon seit nahezu 5 Jahren einen Brief besitze, den Prinz Wilhelm, ohne verstellte Schrift ganz offiziell an Frau Wolf nach Wien schrieb, und der auch ein Unicum an Unvorsicht und Tactlosigkeit ist, und den ich damals durch den selben Weg wie diese letzten Nachrichten erhielt. Diese ganze Angelegenheit weiß niemand als Szögyeny; Graf Kalnoky theilte ich sie nicht mit, er würde sie zu ernst nehmen; und dem Kaiser darf es ja nicht bekannt werden, denn es würde gerade unserem so hochherzigen Herrn einen tiefen Eindruck machen und könnte eine Erkaltung im Verhältnisse zu Wilhelm und zu Berlin überhaupt nach sich ziehen, die in diesem Momente nicht günstig wäre. Auf Wunsch Szögyenyi schrieb ich Ihnen diese Sache, bitte Sie den Brief gleich zu verbrennen, und mache Sie auf diese Wienerin Ella Somsics, deren Adresse ich oben angab, aufmerksam, da man vielleicht noch manches auf diesem Wege erfahren kann. Ich war über das ganze nicht im Geringsten erstaunt. Für alle Ihre Mühewaltung während meines Aufenthaltes in Berlin danke ich Ihnen noch vielmals. Wenn Sie in dieser oder einer anderen Sache mir schreiben wollen, so bitte ich es durch den Courier direct an mich zu senden. Mit herzlichsten Grüßen, Ihr Rudolf