Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 26. (1973)

MIKOLETZKY, Lorenz: Vom Kaiserspital zum Klein-Mariazellerhof. 125 Jahre Hofkammerarchivgebäude

Hofkammerarchivgebäude 433 Archives und der Hofkammerbibliothek von dem Hofbaurathe Sprenger und der Dikasterial Gebäude Direkzion bereits vorgenommen worden ist, und daß er den Vorschlag zur definitiven und provisorischen Uibertragung der in dem zum Umbaue bestimmten Trakte des Mariazeller-Hofes befindlichen Behörden, so wie zur Benützung der gemietheten feldbischöflichen Wohnung, dann der übrigten 18 Lokalitäten in dem zur Unterbringung der Börse gemietheten Thei- le des Hauses N. 939 in der Weihburggasse ehestens erstatten werde ..'«). Bei der feldbischöflichen Wohnung handelt es sich um das Domizil des Bischofs und apostolischen Feldvikars Michael Leonhard, der in eine Wohnung in der Teinfaltstraße zog. In den Jahren 1843—1844 baute nun Sprenger, nachdem 1842 der Johannesgassentrakt niedergerissen worden war, mit einem Kostenauf­wand von 48.250 fl. CM. das erste Archiv-Zweckgebäude Österreichs. Die Innenausstattung wurde 1848 vollendet. Als „Kasernenbaumeister“ bekannt, schuf Sprenger neben dem Hof­kammerarchiv weitere bedeutende Bauten in Wien: 1835—38 das Ge­bäude des Hauptmünzamtes, 1841—47 das Hauptzollamt und 1845—48 die niederösterreichische Statthalterei (Regierungsgebäude) in der Herren­gasse * 17). Mit dem Hofkammerarchiv aber errichtete er einen Bau, der noch heute (nach Durchführung einiger zeitgemäßer Änderungen, z. B. 1937 Ausbau des vierten Geschoßes mit einem Benützersaal und Beam­tenzimmern, sowie 1950/51 Ausbau des Dachbodens zu einem Depotraum) eine ausgezeichnete Lösung darstellt. Der Straßentrakt birgt in drei Stockwerken je einen die ganze Frontbreite (fünf Fenster) erfüllenden, von Pfeilern und Säulen getragenen Lagersaal, in den mit Geschick raum­sparende, bis zur Decke reichende Aktenstellagen eingebaut wurden. Von den an den Haupttrakt nur in einer Tiefe von zwei Fensterachsen an­setzenden Hoftrakten nahm der eine das Stiegenhaus, der andere im zwei­ten Stockwerk das Arbeitszimmer des Direktors auf, das, unter Denkmal­schutz stehend, nach einer gründlichen Restaurierung 1972, in seiner von Franz Grillparzer (der von 1832 bis 1856 dem Archiv Vorstand) eingerich­teten und benützten Gestalt erhalten ist. Die übrigen Beamten arbeiteten in den Depoträumen, eine Anordnung, deren Nachteile durch eine zentrale Beheizungsanlage (Luftheizung) für das ganze Haus etwas gemildert wur­den 18). Seit dem Jahr 1937 befindet sich auch die Direktion im vierten Stock. Der 20. Juni 1848 brachte ein Schreiben an die Archivdirektion: „Laut einer Eröffnung des Ministeriums der öffentlichen Arbeiten, sind die für das Archiv des Finanzministeriums bestimmten Amtslokalitäten im Neubaue des Mariazellerhofes bereits auch im Innern vollkommen ausgestattet i«) FA Präs. 3662/1843 fol. 1 v. 17) Groner Wien 213 f, 214 und 563. — Über Sprenger vgl. Walter C e r n y Paul Sprenger (ungedr. phil. Diss. Wien 1967). i®) Vgl. Walter Hofkammerarchiv XXVI f und Stanglica Maria­zellerhof 93. Mitteilungen, Band 26 28

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