Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 26. (1973)
WACHA, Georg: Die Korrespondenz des Kremsmünsterer Abtes Alexander a Lacu mit den bayerischen Herzogen
Alexander a Lacu 195 wendete man fremde Alphabete, also z. B. griechische, hebräische oder cyrillische Buchstaben; bei der dritten Gruppe entwarf man willkürliche Zeichenalphabete (hier sei die sogenannte Geheimschrift Rudolfs IV. speziell erwähnt), zum Teil vermischt mit arabischen Ziffern, oder verwendete Neumen. In die vierte Hauptgruppe endlich ordnet man die Zahlengeheimschriften ein. Wiederum begnügte man sich entweder mit der Ersetzung von Vokalen durch Zahlen (Zahlworte, römische Zahlen, arabische Ziffern) oder Zeichen, ging aber auch bis zur Ersetzung des ganzen Alphabets durch Zahlen lls). In diese Gruppe nun wäre die Geheimschrift einzuordnen, die der Abt von Kremsmünster in München mit dem bayerischen Herzog vereinbarte und die stellenweise in dem Schreiben vom 4. November 1604 (siehe Brief n. 5) verwendet wird. Da Konzepte erhalten blieben, die die Auflösung einiger Worte enthielten, war es nicht übermäßig schwer, das System der Geheimschrift zu klären, allerdings wird sich gleich zeigen, daß damit nicht alle Fragen gelöst sind, daß vielmehr durch die Kombination eines allgemeinen Ziffernsystems mit chiffrierten Schlüsselworten auch diese Texte noch Rätsel in sich bergen. A= 14 K =(17) S =(15) (?) B =(24) L = 27 T = 25 C = 34 M= 37 U = 35 (31?) D = 44 N = 47 V = 31 (?) (statt 35?) E = 54 0 = 57 W=(45) F =(64) P = 67 X = 45 x (?) G = 74 Q =(??) Y = 97 (?) (statt 94?) H = 84 R= 87 Z = 55 1 = 94 S =(97) (?) Zu diesen zweistelligen Zahlen für die einzelnen Buchstaben kommen Schlüsselworte, die aus dreistelligen Zahlen gebildet werden; nur eines davon ist auf dem Wege über das erhaltene Konzept in der Dechiffrierung vollkommen gesichert: 101 = Kaiser (?) 112 = Kardinal (?) 113 = Abt von Kremsmünster ns) Kaiser Friedrich III. hat neben einer relativ simplen Zahlen-Geheim- schrift (für die Buchstaben des Alphabets mit den zusätzlichen Zeichen „et“, „est“, ,,-us“ und ,,-tur“ die Zahlen 1 bis 27) auch den Schlüssel einer anderen Buchstabengeheimschrift mit Vertauschung der Vokale und von jeweils zwei Konsonanten mit dem Zusatz „hab ich selbs gedacht“ in seinem Notizbuch aufgezeichnet: Alphons L h o t s k y AEIOV. Die „Devise“ Kaiser Friedrichs III. und sein Notizbuch in Aufsätze und Vorträge 2 (Wien 1971) 203 f nn. 30 und 31 und dsbe im Katalog Friedrich III. (Wiener Neustadt 1966) 40, wiederholt in Aufsätze und Vorträge 2 159. 13*