Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

GOLDINGER, Walter: Der archivalische Grundstock der Autographensammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Der arehivalische Grundstock der Autographensammlung 77 schof von Trient, die die damals noch wenig bekannten Aspirationen des Kaisers auf den päpstlichen Stuhl beleuchtet. Sie war aus dem bischöf­lichen Archiv in Trient in die Hände des dortigen Bürgermeisters gekom­men, der als Sammler Tiroler Altertümer einen Namen hat, sich aber gleichwohl von dem interessanten Stück zugunsten der Hofbibliothek trennte23). Nicht so gut wie für Tirol sind wir über die Durchführung der Auf­träge des Grafen Saurau in den anderen Ländern unterrichtet. Doch steht fest, daß besonders aus Lombardo-Venetien zahlreiche italienische Stücke einliefen24). Die Herkunftsvermerke auf den Katalogzetteln zur Auto­graphensammlung machen dies deutlich. Es sind aber auch die deutsch- böhmischen Provinzen vertreten. Die den Gegenstand betreffenden Akten der niederösterreichischen Regierung sind längst skartiert. Doch ergeben die vom Niederösterreichischen Landesarchiv zur Verfügung gestellten Indexeintragungen ein klares Bild über den Gang der Aktion 26). Konnte auch die niederösterreichische Regierung nur wenige Stücke beistellen, so kamen auf ihre Veranlassung vom Wiener Magistrat deren acht26), auf dem Weg über die bischöflichen Konsistorien von Wien und St. Pölten solche aus den Klöstern Melk27 28) und Zwettl2S) sowie aus dem Stift Klosterneuburg 29). Nicht wenige der Katalogzettel der Autographensammlung tragen den Provenienzvermerk RHC. Das weist auf die Herkunft aus jenen Be­ständen hin, die von der Reichshofrätlichen Aktenkommission, die seit 1806 in Wien amtierte und liquidierte, verwaltet wurden30). Auch an deren Chef, den Grafen Buol-Schauenstein, ist Dietrichstein mit Schreiben vom 26. Jänner 1829 herangetreten. Wieder hebt er hervor, wie sehr es sein Bestreben sei, mit den Bibliotheken des Auslandes zu wetteifern, ja sie 23) NB Autographensammlung 15/28. Druck: August Nagle Hat Kaiser Maximilian I. im Jahre 1507 Papst werden wollen? in Hist. Jahrb. 28 (1907) 50—53. 24) Rudolf Beer Die Autographensammlung der k. k. Hofbibliothek in Wien in Zeitschrift für Bücherfreunde 1 (1897/98) 83. 25) Niederösterr. Landesarchiv Nö Regierung, Präsidialindex 1829, H 11. 2«) Archiv der Stadt und des Landes Wien Magistrat ZI. 31982/1829. 27) Meist Gelehrtenkorrespondenz mit den Brüdern Pez, so Duellius, M. Herrgott, Pusch, Spannagel und der Bollandist Sollier: NB Autographen­sammlung 36/87, 36/63, 36/70, 36/90. 28) Verbrüderungsurkunde des Johannes Kapistran von 1451 Oktober 12 mit eigenhändiger Unterschrift: NB Autographensammlung 36/35-2. 29) Ebenfalls eine Verbrüderungsurkunde Kapistrans von 1451 Juli 15: NB Autographensammlung 36/35-1. Weiters ein eigenhändiges Schreiben von Petrus Canisius von 1569 Juli 7, ebenda 36/47. Druck in Beati Petri Canisii societatis Jesu epistolae et acta 6, hg. v. Otto Braunsberger (Freiburg i. B. 1913) 341. 30) Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs 1 (1936) 299 f.

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