Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

GOLDINGER, Walter: Der archivalische Grundstock der Autographensammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Der archivalische Grundstock der Autographensammlung 75 auf Widerstand, weshalb sich die Erledigung über mehr als drei Jahre hinzog. Darüber soll bei Erörterung der Abschlußphase gesprochen wer­den. Großen Erfolg zeitigte aber der nächste Schritt beim Hofkriegsrats­präsidenten Prinz Hohenzollern-Hechingen, an den sich Dietrichstein am 10. Jänner wandte. Wieder verwies er auf das Beispiel des Auslandes, besonders Paris. Es sei sehr schwer, auf privatem Weg zu Autographen zu kommen, gelegentliche Gefälligkeiten ausgenommen. Wieder bedient er sich eines zeitgemäßen Arguments in der Gegenüberstellung von Archiven und Bibliotheken. Jene seien nicht allgemein zugänglich und könnten es nicht sein, die Hofbibliothek aber sei verpflichtet, soweit es ihre Instruk­tionen gestatteten, ihre Schätze zu zeigen und die an sie gestellten Fragen zu beantworten. Bei der Anlegung einer Autographensammlung handle es sich nicht um ein Werk bloßer Neugierde, sondern um einen Gegenstand von historischem Interesse, nicht selten auch um eine Grundlage für ernste Untersuchungen und Vergleichungen 14). Die Antwort des Hofkriegsratspräsidenten vom 19. Jänner war sehr entgegenkommend. Wohl deutete er an, daß von den Beständen des Hof­kriegsrates vieles skartiert worden sei15), doch müßte sich weit umfang­reicheres Material im Kriegsarchiv finden, das aber dem Generalquartier­meisterstabe unterstehe, weshalb an dessen Chef, den Freiherren von Wimpfen, heranzutreten sei. Dies geschah auch, noch im selben Jahr be­gann eine umfangreiche Abtretung ganz eigenhändiger oder bloß mit Unterschrift versehener Schriftstücke an die Hofbibliothek 14 15 16). Die Kata­logzettel weisen den Vermerk KA auf, wenn ein Stück aus dem Kriegs­archiv übernommen wurde, hingegen KR, wenn es aus der Registratur des Hofkriegsrates stammte. Hatte man im Kriegsarchiv teilweise beglau­bigte Abschriften für die entnommenen Stücke angefertigt, so legte man sich in der Auswahl keinerlei Beschränkung auf. Es finden sich daher aus diesen Provenienzen in der Nationalbibliothek heute Autographen, denen inhaltlich und historisch hohe Bedeutung zukommt. So etwa ein Vortrag des Prinzen Eugen beim Antritt seines Amtes als Hofkriegsratspräsident im Jahre 1703 über den Status militaris, der ganz darniederliege 17). Nicht unerwähnt soll auch bleiben, daß an der Durchführung der Aktenauslie­ferung aus der Registratur des Hofkriegsrates der Hofrat Kiesewetter 18) beteiligt war, der selbst ein Sammler von Autographen, allerdings Musi­kalien, gewesen ist, in dieser Hinsicht aber von einem seiner Untergebe­14) Kriegsarchiv Wien (KA) Hofkriegsrat Präsidium 84/1829. 15) Oskar Regele Die Aktenskartierungen im Wiener Kriegsarchiv in alter und neuer Zeit in Archivalische Zeitschrift 50/51 (1955) 217—221. iß) KA Direktionsakten I-1829-Nr. 21, 96, 120, 126. 17) NB Autographensammlung 4/123. 18) Richard S c h a a 1 Quellen und Forschungen zur Wiener Musiksammlung von Aloys Fuchs in Sitzungsberichte d. österr. Akademie d. Wissenschaften, phil.-hist. Kl. 251/1 (1967) 44.

Next

/
Thumbnails
Contents