Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

POSCH, Fritz: Das Archivwesen der Länder und die Entstehung der österreichischen Landesarchive

66 Fritz Posch zu Brünn schon 1867 zu ihrem Ehrenmitglied57 58 *). Besonders aber tritt das mährische Vorbild in Erscheinung, als Zahn bereits 1863 erstmals die Schaffung eines steiermärkischen Landesarchivs durch die Vereinigung des Joanneums­archivs mit dem Landschaftsarchiv und die Abtrennung des Münz- und Antiken- kabinettes von ersterem und der Registratur von letzterem betrieb. „Bei einer Landschaft“ führt hier Zahn aus „und zwar in Österreich, fand derselbe (nämlich der Gedanke eines Landesarchivs) zum erstenmal in Mähren seine Verwirklichung. Dort gaben die Stände ihr Archiv von der Registratur frei und suchten durch Boczek, Chytil und Chlumecky alle im Lande verstreuten Archivalien der Klöster und Gemeinden wie der Privaten in Originalen wie in Kopien demselben zu vereinen; dadurch wurde eine Anstalt gebildet, welche sowohl dem etwaigen rechtlichen Bedürfnisse, noch mehr aber der Landes­geschichte diente und dient. Den Vorrang kann Mähren kein Land streitig ma­chen, aber Steiermark wäre wenigstens auf gleichem Gebiete am zweiten Platze. So wie Mähren sich schon vor zwanzig Jahren zur Lostrennung des landschaftlichen Archives von der Registratur entschied, ist jetzt eben Wien im Begriffe, sein Stadtarchiv selbständig zu stellen.“ Gegenüber Mähren habe die Steiermark sogar das voraus, daß sie bereits einen guten Teil fremder Archivalien aus dem Lande besitze, während Mähren zur Zeit der Konstituierung seines Landesarchivs sich diese erst suchen mußte. Zahn wollte sich in Brünn Auskünfte über die Konstituierung des Landes­archivs durch Einsichtnahme in die Akten holen. „Dort liegt ein nachahmens­wertes Beispiel, es wäre eine ehrenhafte Aufgabe, ein gleiches in Steiermark für andere zu geben“ *8). Die Trennung des Joanneumsarchivs vom Münz- und Antikenkabinett wurde schließlich mit 1. September 1868 durchgeführt und bald darauf das landschaftliche Archiv von der Registratur getrennt und mit dem Joanneumsarchiv zum „Steiermärkischen Landesarchiv“ vereinigt. Damit war der Gedanke Johanns von Kalchberg verwirklicht, der schon 1816 eine Vereini­gung beider Archive angeregt hatte, was aber damals wegen des geheimen Charakters des Landschaftsarchivs nicht möglich war. Dadurch war das erste Landesarchiv in den heute österreichischen Ländern geschaffen, das, wie Zahn vorhatte, wieder als Muster für andere Landesarchive dienen sollte r>9). Während in Brünn das mährische Landesarchiv dadurch entstanden war, daß das ständische Archiv sich zur archivistischen Zentralstelle ent­wickelte, indem der ständische Archivar dort alle Archive im Lande zu­sammenzog, gab es in Graz im Joanneumsarchiv jenes bis 1811 zurück­reichende Sammelarchiv, dessen Vereinigung mit dem Landschaftsarchiv die Konstituierung des Landesarchivs zur Folge hatte. Die Organisierung dieses Archivs nach wissenschaftlichen Grundsätzen war hier wie dort die unabdingbare Voraussetzung für die Bildung dieser neuen Zentren der geschichtlichen Landesforschung. Wenn auch Zahn der Meinung war, daß dem Joanneumsarchiv der Charakter eines Landesarchivs innewohne, weil es aus allen Teilen des Landes und für alle Teile desselben Stoffe ent­halte, war er doch der Ansicht, daß ihm dieser Titel nur uneigentlich ge­bühre, weil es keine Stoffe besitze, welche das Land im großen Ganzen, sondern nur solche, welche eine Mehrzahl seiner Glieder betreffen. Ein 57) Ebenda 54. 58) Ebenda 59 f. M) Ebenda 61 ff.

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