Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

POSCH, Fritz: Das Archivwesen der Länder und die Entstehung der österreichischen Landesarchive

Das Archivwesen der Länder 61 nannt, aber erst 1896 wurde das ständische Archiv von der Registratur getrennt und das eigentliche Landesarchiv gegründet so). In Salzburg gab es kein ständisches Archiv, die Registratur der Land­stände wurde im staatlichen Archiv deponiert. Die Tiroler Landstände ließen ihr Archiv erstmalig 1643 registrieren, es bildete später einen Bestand der ständischen Landschaftsregistratur. 1816 wurde eine Archivinstruktion aus­gearbeitet, die zugleich auch für die Registratur galt. 1891 und 1899 wurden Maßnahmen für die Erhaltung und Ordnung dieser Archivalien ergriffen * 40). Die steirischen Stände besaßen seit dem 16. Jahrhundert eine eigene Verwaltung, die durch die Einrichtung einer Kanzlei und eines Sekretariates feste Formen annahm. 1566 bis 1567 wurde die Registratur zugleich mit der Buchhaltung geschaffen. Das Archiv war Bestandteil der Registratur, die 1792 neu organisiert wurde. Der erste Vorstoß Johanns von Kalchberg für das alte Archiv im Jahre 1800 scheiterte, der alte Grundsatz der Geheimhaltung stand den Interessen der historischen Forschung entgegen. Der Versuch einer Ordnung wurde ab 1857 vom ständischen Registrator und Archivar Rechbauer unter­nommen. Erst die Neuorganisierung der Landesverwaltung durch die Landes­ordnung von 1861 schuf die Voraussetzungen für eine grundlegende Neugestal­tung, da nun die Trennung des Archivs von der Registratur möglich wurde 41). Das Kärntner landschaftliche Archiv war bis zum Ende des 19. Jahrhunderts überhaupt nicht zugänglich. Erst 1899 wurde der Archivar des Geschichtsvereins August v. Jaksch durch den Landesausschuß mit der Ordnung und Neuaufstellung des alten landschaftlichen Archivs und der landschaftlichen Registratur betraut42 43). Die Registratur der krainischen Landschaft wurde durch Land­schaftsbeschluß im Jahre 1586 eingerichtet und damals auch ein Registrator be­stellt. 1783 wurde Alois Kappus v. Pichelstein zum Registrator bestellt, der als erster den offiziellen Titel „Archivarius der löblichen Landschaft“ führte. Später wurde der Titel eines Archivars mit der zweiten Sekretärstelle verbunden 4;J). 1(d) Außer den Archiven der Städte, Märkte, Herrschaften, Klöster und Familien, die in den Museal- und Vereinsarchiven gesammelt wurden und außer den landschaftlichen Registraturen und Archiven gab es in allen 39) Ebenda 281. 40) Karl Böhm Das Tiroler Landesarchiv (Innsbruck 1911). 41) Anton Mell Das Archiv der steirischen Stände im Steiermärkischen Landesarchiv. Bericht über die vorläufige Ordnung desselben in Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 34 (1905) 191 ff; dsbe Das Steier­märkische Landesarchiv in Das Steiermärkische Landesmuseum Joanneum 463ff; Wolfgang Sittig in Gesamtinventar des Steiermärkischen Landes­archivs 89 ff. 42) Martin W u 11 e Das Archiv des Geschichtsvereins für Kärnten in Carinthia I 103 (1912) 55 und 25 Jahre Kärntner Landesarchiv, ebenda 119 (1929) 116 f. 43) Peter v. Radies Das Archiv der krainischen Landschaft (Laibach 1863) 4 und 8; Arnold Lu sch in Reisebericht über innerösterr. Archive in Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 11 (1874) 24 ff; P. Skobielski Ueber das ständische Archiv in Laibach in Mitteilungen der k. k. Central- Commission zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und Historischen Denk­male 7 (1881) XCVI ff.

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