Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

WANDRUSZKA, Adam: Anton Steindl Ritter von Plessenet. Ein österreichischer Diplomat in der Levante

Anton Steindl Ritter von Plessenet 457 Renegaten Omer Pascha und des aus Hamburg gebürtigen Generalstabs­chefs der alliierten Armee, General Jochmus Pascha, der mit seiner Vor­liebe für den mit arabischen irregulären Truppen geführten Wüstenkrieg (so besonders bei dem von ihm angeordneten Handstreich des österrei­chischen Leutnants du Mont gegen ein feindliches Depot in der Wüste, Nr. VI.) fast wie ein Vorläufer des berühmten Lawrence of Arabia und der englischen „Long Range Desert Groups“ des 2. Weltkriegs erscheint. Auch auf die politischen Rivalitäten der Alliierten fällt bezeichnendes Licht, so etwa auf die Bemühungen der Engländer um die Wiederan­knüpfung guter Beziehungen zu dem eben noch bekämpften Mehmed Ali, um dem französischen Rivalen in Ägypten nicht allein das Feld zu über­lassen; oder auch auf die österreichisch-russische Rivalität um die Schutz­funktion über die Christen im Osmanischen Reich (Nr. III.). Diese Fragen, die ja den eigentlichen Aufgabenbereich Steindls betrafen, wurden durch den Internuntius Baron Stürmer der Staatskanzlei durch Anstreichen zur besonderen Aufmerksamkeit empfohlen 22). Anhang: Anton von Steindls Berichte vom Syrienfeldzug 1840/41 Die sieben numerierten Berichte Steindls an den Internuntius Baron Stürmer wurden von diesem mit seinen Berichten vom 23. Dezember 1840 (Nr. I), 9. Jänner (Nr. II, III, IV), 20. Jänner (Nr. V) und 17. Februar 1841 (Nr. VI, VII) nach Wien gesandt. Das neben die von Steindl vorgenommene Numerierung jeweils von anderer Hand hinzugefügte Datum ist jenes der Ankunft der Berichte in Konstantinopel (HHStA Türkei Berichte VI 77, 79 [1840/41]). Nr. I 23 Déc. Beirout, 15 Decembre 1840. Monsieur le Baron, Arrivé ce matin ä Beirout, je me suis empressé de receuillir les nouvelles qui pourraient avoir de l’intérét pour Votre Excellence, mais aucun événement saillant eut lieu depuis le départ du pyroscaphe turc Tairi Bahri par lequel Elle avait regu lors de mon départ de Constantinople des rapports de M. l’Amiral Baron Bandiera et de M. Laurella i). Ibrahim Pacha est toujours ä Damas, d’oü il täche de se retirer en Egypte par la grande route de la caravanne de la Mecque. Son armée est evaluée ä 25000 hommes dönt 7000 de cavalerie, et depuis qu’elle ne consiste plus que de soldats égyptiens, les Syriens s’étant tous débandés, la désertion a prodigieusement diminuée dans ses rangs. II páráit que les Chefs des troupes alliées ne songent pás á troubler sa retraite. 22) Uber das österreichische Engagement in der Levante vgl. jetzt das eben erschienene Buch von Arthur C. Breycha-Vauthier Österreich in der Le­vante (Wien—München 1972). i) Baron Francesco Bandiéra (1785—1847), Konteradmiral, Kommandant des österreichischen Flottenverbands im syrischen Feldzug, Vater der berühm­ten „fratelli Bandiera“, Attilio und Emilio, die 1844 als Führer des geschei­terten Aufstandsversuchs in Calabrien hingerichtet wurden. Laurella war öster­reichischer und toskanischer Konsul in Beirut.

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