Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky
WANDRUSZKA, Adam: Anton Steindl Ritter von Plessenet. Ein österreichischer Diplomat in der Levante
Anton Steindl Ritter von Plessenet 453 Steindl selbst hat später in einer Eingabe um Gehaltserhöhung anläßlich seiner bevorstehenden Vermählung daran erinnert, daß er wiederholt nach Syrien gesandt wurde, während des ganzen syrischen Feldzugs das Hauptquartier begleitete und nach Einstellung der Feindseligkeiten noch durch sieben Monate im Lande verbleiben mußte. „Die Gefahren, Mühseligkeiten und Strapazen, denen ich in einem ungewohnten Clima und in einem barbarischen, durch den Krieg noch unwirtlicher gemachten Lande mich unterziehen mußte, und der Schiffbruch, den ich in der Mitte des Winters erlitt, haben meine einstens so gute Gesundheit bedeutend geschwächt, ich fand aber im Bewußtsein Trost, meine Pflicht erfüllt zu haben, und das mir von Seiner Durchlaucht dem Herrn Fürsten Staatskanzler in Hoch- dessen an Eure Exzellenz gerichteten Rescripte vom 22. Juni v. J. gesprochene und mir von Hochderoselben ämtlich mitgetheilte, für mich höchst schmeichelhafte Lob erlaubten mir der Hoffnung Raum zu geben, in einer besonderen Belohnung Ersatz für das Erlittene zu finden“ i3). Tatsächlich war aber der Lohn für seine außergewöhnlichen Leistungen und Erfolge zunächst keineswegs fürstlich. Zwar erhielt er nunmehr auf Metternichs Antrag als dritter Internuntiatur-Dolmetsch jene Stelle, deren Dienst er bereits durch volle acht Jahre versehen hatte. Aber da ihm zugleich die bisher gewährte Personalzulage von 300 fl. gestrichen wurde, betrug die tatsächliche Gehaltsvermehrung nur 200 (1.500 statt bisher 1.300) fl., die durch die inzwischen eingetretene Teuerung mehr als kompensiert wurden. So befand sich Steindl, der am 15. September 1842 in Bujukdere die um sieben Jahre jüngere Henrica Rosalia von Lackenbacher geheiratet hatte, auch weiterhin keineswegs in einer wirtschaftlich rosigen Lage. Er habe durch die Jahr für Jahr zunehmende Teuerung sowie durch wiederholte Feuersbrünste (eine ständige Plage und Gefährdung auch für die Angehörigen der ausländischen Missionen im alten Konstantinopel) seit seiner Verheiratung bereits den größten Teil des ihm von seiner Frau zugebrachten geringen Vermögens eingebüßt, klagte er in einem Gesuch vom 4. Dezember 1848, in dem er um Berücksichtigung bei etwaiger Erledigung einer der beiden Agenzien in den Donau-Fürstentümern bat. „Zu meinen dienstlichen nicht unbedeutenden Sorgen gesellten sich nun auch pekuniäre und häusliche, um so mehr als das Clima dieses unfreundlichen Landes auf die schwächliche Gesundheit meiner Frau einen ungünstigen Einfluß übt, weshalb ich sie auch mit fühlbaren Geldopfern auf anderthalb Jahre nach Wien, ihrer Heimat, zu schicken gezwungen wurde.“ Tatsächlich scheint sich seine aus vermögender Familie stammende und dementsprechend etwas verwöhnte Frau überhaupt im Orient nicht wohlgefühlt zu haben. So war es vermutlich auch auf ihren Einfluß zurück- 1 1 i e r La société du Mont Libán ä l’époque de la révolution industrielle en Europe (Paris 1971) 161 f, 164 Anm. 2. Ich habe für diesen und andere freundliche Hinweise Herrn Botschafter DDr. Arthur C. Breycha-Vauthier zu danken. 13) Eingabe Steindls an Stürmer, Konstantinopel 1842 August 31: PSt.