Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

WANDRUSZKA, Adam: Anton Steindl Ritter von Plessenet. Ein österreichischer Diplomat in der Levante

Anton Steindl Ritter von Plessenet 451 heiratete eine einen französischen, die zweite einen russischen, die dritte einen spanischen Diplomaten5). Der ältere Sohn, der am 9. Oktober 1811 in Konstantinopel geborene Anton, wurde im Alter von 12 Jahren, nur von einem Reitknecht be­gleitet, als berittener Kurier mit Depeschen und einem Gesuch um einen Freiplatz an der Orientalischen Akademie nach Wien gesandt. Er wurde „aus besonderer Gnade“ unter der Bedingung in die Akademie aufge­nommen, „daß für ihn bis zur Erlangung eines ärarischen Platzes die Kosten seiner Verpflegung so wie jene für den Unterricht in den Normal- und Gymnasial-Gegenständen vom Vater bestritten zu werden hatten“ °). Von 1826 bis 1831 absolvierte er dann als „ärarischer Stiftling“ zusammen mit dem um zweieinhalb Jahre älteren Anton Hammer von Nemesbány, dem späteren orientalischen Referenten der Staatskanzlei, mit dem Sohn des Bürgermeisters von Wiener-Neustadt, Felix Mießl von Treuenstadt, und mit Franz Ritter von Hackl den „akademischen“ Lehrgang. Hammer, der berichtet, daß das Turnen, von dem damals in den öffentlichen Lehr­anstalten noch keine Rede war, durch Raufen „mit Passion“ ersetzt wurde, schreibt: „Insbesondere waren es Steindl und Mießl, welche im Schlafsaale, während die übrigen Collégén bereits in die Betten geschlüpft waren, zur allgemeinen Erlustigung sich bis zur Erschöpfung balgten und walkten, um dann desto gesünder zu ruhen“ * 7). Als Steindl, Hammer und Mießl im August 1831 den fünfjährigen akademischen Lehrgang beendet hatten, war keine Stelle im Orient frei, und es wurde ihnen bedeutet, daß sie bis zum Freiwerden eines solchen Dienstplatzes zu warten hätten. „Um aber diese Anwartschaft nutzbrin­gend zu machen, wurde gestattet, daß Steindl in sein Elternhaus nach Constantinopel zurückkehre und bei der Internuntiatur vorläufig dienst­lich verwendet werde, während ich und Mießl nach den zweimonatlichen Herbstferien zu einer ähnlichen Verwendung in die Staatskanzlei berufen wurden“, berichtet Hammer 8). Auf Grund eines Vortrags Metternichs, der den „Sohn des wohlver­dienten Internuntiaturs-Expeditors“ zur Anstellung als Dolmetscherge­hilfe empfahl9), wurde Steindl mit kaiserlicher Entschließung vom 5) Nach den Erinnerungen meiner Mutter war der französische Diplomat ein Graf Gilbert de Voisin, der russische ein Herr von Lenz, der Name des spani­schen Diplomaten war ihr nicht bekannt. 6) Dies und das Folgende nach den im Staatsarchiv befindlichen, sei­nerzeit von Heinrich Ritter von Srbik in einer Wiener Antiquariatsbuch­handlung erworbenen und dem Haus-, Hof- und Staatsarchiv übergebenen Erinnerungen von Anton Hammer von Nemesbány. Vgl. Heinrich Ritter von Srbik Aus den Erinnerungen eines alten österreichischen Beamten in AÖG 117/1 (1949) 37—100. 7) Hammer Erinnerungen. ®) Ebenda. 9) Vortrag Metternichs 1832 April 14: PSt. 29*

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