Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

BROUCEK, Peter: Johann Baptist Schels. Offizier, Archivar und Historiker der Biedermeierzeit

448 Peter Broucek Nach meiner Meinung soll außer den Sekretären und Kanzellisten, die der Akademie ihre ganze Zeit widmen, und daher von ihr leben müssen, niemand eine Besoldung empfangen. Der Akademiker hätte keine anderen Einkünfte, als ein reichliches Honorar für seine von der Akademie dem Drucke über­gebenen Werke .. So versuchte Schels in bewußt josephinischem Geist die Wissenschaft in den Dienst des Staates zu stellen, die Allgemeinheit — insbesondere die Armee — zu belehren und als Forscher zu wirken. Diese Haltung wurde auch von seinen Vorgesetzten anerkannt, wie die letzte „Individuel­le Beschreibung“ für Schels beweist: „Er besitzt viele Kenntnisse in den militärischen Hilfswissenschaften, dann in der Taktik aller Waffengattungen, in der Feldbefestigungskunst und im Pionierdienst und hat im Feldzug 1809 den Bau verschiedener Feldverschan­zungen geleitet. Auch ist er in der Militär-Literatur sehr bewandert und hat bekanntlich als Schriftsteller und als Redakteur der Österreichischen Militär- Zeitschrift schon vieles in diesem Fache geleistet. Derselbe spricht und schreibt nebst der deutschen Sprache Latein, versteht französisch, italienisch und englisch gut, und hat sich auch von der spanischen, holländischen und polnischen Sprache einige Kenntnisse eigen gemacht. Die Denkart dieses Stabsoffiziers ist rechtlich und ehrenwerth, sein Benehmen gegen Vorgesetzte zuvorkommend dienstfertig, gegen Untergebene streng aber gerecht, und weiß sich deren Achtung zu ver­schaffen ...17). Aus „besonderer allerhöchster Gnade“ wurde Schels mit 21. Februar 1842 zum Oberstleutnant befördert und starb in Wien am 8. Oktober 1847 nach fünfzig Dienstjahren 18). Zwar stellte einer seiner Freunde in einem Nachruf fest, es sei wahr „daß er nicht zu den scharf und tief einschneidenden Naturen gehörte“ 19), ein Urteil, das man bestätigen können wird. Auch meinte man, „daß ihm — obgleich er Gutes und Verdienstvolles mit außerordentlichem Fleiße zu Tage förderte — die Freiheit des Gedankens und das lebendige Wort mangelte.“ Wenn man aber Theodor Fontanes Äußerung: „Erst der Ernst macht den Mann, erst der Fleiß das Genie“ beipflichtet, dann kann man auch für Johann Baptist Schels annehmen, daß er am Weg vom Mann zum Genie ein schönes Stück weitergekommen ist. 17) KA Personalakten, Qualifikationslisten 2561: Individuelle Beschreibung durch den Direktor des KA, GM Franz R. v. Hannekart, 1847 September 30. ls) Schels war seit 1. Mai 1820 mit Johanna Gräfin Rhettel-Choiseul de Meuse verheiratet. Aus der Ehe entsprossen zwölf Kinder, wovon den Vater vier Töchter und zwei Söhne überlebten. 19) W u r z b a c h 29, 195.

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