Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

GASSER, Peter: Triest und Marseille. Merkantilmaritime Beziehungen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts

Triest und Marseille Merkantilmaritime Beziehungen in der zweiten Hälfte des 18. Jahr­hunderts Von Peter Gasser (Wien) Das enttäuschende Ergebnis der Handelsversuche mit Portugal und Spanien hatte zur Folge, daß ähnlich ausgerichtete Bemühungen in bezug auf Frankreich vorerst mit nicht allzu großer Energie betrieben wur­den 1). Auf die günstige Abwicklung der Triester Ein- und Ausfuhr von und nach den französischen Häfen wurde selbstverständlich Wert gelegt. Einschneidende Verbesserungen oder gar Gewinne für die Wirtschaft der Erblande erwartete der Kommerzienrat in dieser Richtung jedoch nicht. Immerhin kam Graf Johann Karl Chotek als Präsident des Kommerz­direktoriums, in einem Vortrag vom 9. September 1758 auf die enge poli­tische Freundschaft beider Staaten hinweisend, auch auf die schon früher vorgebrachte Anregung zu sprechen, derzufolge die herzlichen Beziehun­gen für „Handel und Schiffahrt des österreichischen Litorales ...“ ent­sprechend auszunützen wären. Schon aus Gründen des politischen Presti­ges verlangte Chotek zunächst, daß die österreichischen Schiffe von der lästigen Abgabe der sogenannten „cent sols par tonneau“ befreit sein sollten * 2). Eine billige Forderung, zumal Versailles anderen befreundeten Staaten diesbezüglich bereits entgegengekommen war. Eine die Erfüllung dieses Wunsches anzeigende Bestätigung fehlt. Da diese spezielle Frage in der Folge nicht wieder angeschnitten wurde, dürfte hier französischerseits eine positive Erledigung kurz darauf erfolgt sein. Als Partner Triests kam in erster Linie Marseille in Betracht. Die See­1) In einer unveröffentlichten Abhandlung habe ich über die fruchtlosen Bemühungen des österreichischen Gesandten in Madrid und späteren Kardinals Anton Christoph Bartholomäus Migazzi aus den von ihm am 14. Juni 1752 in Aranjuez Unterzeichneten Freundschafts- und Handelsvertrag u. a. auch für Triest merkantilmaritime Vorteile abzuleiten, wie auch über einschlägige nicht minder erfolglose Versuche des Grafen Georg Adam Starhemberg in Lissabon in den Jahren 1750/51 berichtet; Hofkammerarchiv (HKA) Wien Lit. Kommerz 659/rot und 658/rot. 2) HKA Lit. Kommerz 661/rot fol. 31: „...daß diese Befreyung von dem Droit de cent Sols par Tonneau, deren fast alle anderen Nationen geniessen, nicht sowohl als eine besondere Begünstigung, als vielmehr Jure reciproci ge- forderet werden könne ...“.

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