Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

SPĚVÁČEK, Jiří: Das Eingreifen König Johanns von Böhmen in die Praxis des Notariatswesens in Parma

Das Eingreifen König Johanns von Böhmen in die Praxis des Notariatswesens in Parma Von Jirí Speväcek (Prag) Im Staatsarchiv Parma befindet sich neuerdings u. a. auch eine für das Notariatskollegium der Stadt Parma ausgestellte Originalurkunde des böhmischen Königs Johann von Luxemburg 1), der in Böhmen von 1310 bis 1346 herrschte und Vater des nachmaligen römischen Königs und Kaisers Karl IV. war. Diese Urkunde, die früher im Stadtarchiv Parma aufbewahrt wurde und zur Zeit im Bestand Archivio Storico Comunale Parma, Pergamene sec. XIV. des genannten Staatsarchivs unter Nr. 30 zu suchen ist, war der Aufmerksamkeit der Historiker mehrere Jahrhun­derte hindurch entgangen. Zum erstenmal, soweit sich das feststellen ließ, ist sie nur ganz allgemein und ohne Datum im Jahre 1795 erwähnt wor­den * 2). Diese sehr nebelhafte Erwähnung ist aber nur bei Kenntnis der betreffenden Urkunde selbst erklärbar. Es ist daher vollkommen verständlich, daß auf dieser Grundlage ihre Überlieferung nicht bekannt werden konnte und daß in der ersten Zusammenstellung der Urkunden Johanns von Böhmen, die J. F. Böhmer in den dreißiger Jahren des vori­gen Jahrhunderts bearbeitet hat, diese Urkunde überhaupt nicht vor­kommt3). Die Kette der Unachtsamkeit lief dann weiter, so daß in der bisher vollständigsten Ausgabe der Urkundenregesten König Johanns von Josef Emler, der sich vorwiegend auf die zu seiner Zeit publizierten t) Das bisher vollständigste Werk über den böhmischen König Johann von Luxemburg verfaßte Josef S u s t a Kral cizinec [König Fremdling] (1308— 1333) in Ceské dejiny II/2 (Praha 1939); dsbe Karel IV. Otec a syn [Karl IV. Vater und Sohn] (1333—1346) ebenda II/3 (Praha 1946). Eine allgemeine, zugleich neueste Übersicht aus der Feder von Ferdinand S e i b t befindet sich im Handbuch der Geschichte der böhmischen Länder 1 (Stuttgart 1967) 351—384. 2) Es handelt sich nur um eine unbestimmte Andeutung bei Ireneo A f f ö Storia della cittá di Parma 4 (Parma 1795) 278: „Lo statuto de’ Notai ci con­serva pur anche un Privilegio riportato da quel rispettabile Collegio (c); ond’é credibile, che non vi fosse qualitä di persone, cui non cercasse di far godere le sue beneficenze ...“ „(c) Statut. Notar. Parme Lib. II fol. IX.“ 3) Regesta imperii inde ab anno MCCCXIIU usque ad annum MCCCXLVII. Die Urkunden Kaiser Ludwigs des Baiern, König Friedrichs des Schönen und König Johanns von Böhmen in Auszügen von Joh. Friedrich B o e h m e r (Frankfurt a. M. 1839), wo auf S. 195 nach n. 145 (von 1331 April 13) unmit­telbar die Urkunde Johanns n. 146 (von 1331 Mai 14) folgt. Mitteilungen, Band 25 14

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