Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

HOLLAENDER, Albert E. J.: Offiziere und Prälaten. Zur Fuldaer Bischofskonferenz, August 1945

Offiziere und Prälaten 195 den mit der Wahrnehmung konfessioneller Belange betrauten Offizier, den Major der Infanterie Charles F. Russe — der sonst, soviel wir sehen können, keine historischen Spuren hinterlassen hat — wandte. Russe, des­sen offen bekundete anti-katholische Einstellung Sedgwick bekannt war und dessen Beziehungen zum Bischof von Fulda, Sedgwick zufolge, viel zu wünschen übrig ließen, schlug die Wünsche Dr. Dietz’s, für die wir jetzt noch kein schriftliches Zeugnis haben, nicht nur rundweg ab, son­dern erging sich in seiner Antwort an Dr. Dietz in schulmeisterlich an­mutenden Tiraden, die stilistisch zumindest als unnötig scharf, ja ver­letzend wirken müssen, selbst wenn sie von ihm sachlich und in Erfüllung der ihm zugefallenen Aufgabe als richtig und korrekt befunden wurden. Indessen mögen die Dinge nicht so einfach gelegen haben. Und hier muß festgehalten werden, daß Stadt und Bistum Fulda, wie das gesamte Land Hessen, eindeutig in der US-Besatzungszone lagen. Major Russe war somit der für Bischof Dietz’s Eingabe einzig zuständige Offizier. Das bischöfliche Schreiben muß neben dem Ansuchen um bestimmte Zusiche­rungen, Restitution beschlagnahmten oder requirierten Eigentums usw., auch Anspielungen politisch-apologetischer Natur enthalten haben. Dies er­gibt sich deutlich aus dem ersten Satz des dritten Paragraphen in Major Russes Schreiben (siehe unten Appendix A). Es ist mehr denn möglich, daß diese Anspielungen in dem amerikanischen Offizier Ressentiments wachriefen, mit denen er nicht alleine stand und dessen historische Ursa­chen bis heute noch Gegenstand lebhafter gelehrter und politischer Dis­kussion ist. Nicht mit Unrecht hat Professor Günter Levy in seinem auf breiter Quellenbasis beruhenden Werk The Catholic Church and Nazi Germany schon 1964 darauf hingewiesen, daß die unmenschlichen Metho­den1 nationalsozialistischer Kriegführung der Kritik einzelner katholischer Oberhirten keineswegs entgangen seien, daß aber andererseits nur der Schluß zulässig sei: „... But such criticism of the way Hitler and his generals conducted the war did not affect the bishop’s unwavering support of the German war effort. These atrocities, in their eyes, were unfortunate side effects. The basic injustice of Hitler’s expansionist plans seems never to have penetrated their conscious­ness“ 30). Und wenige Absätze danach findet er: „The Catholic episcopate therefore must bear some share of the responsi­bility for the immeasurable suffering which Hitler’s armies inflicted upon Europe. Had the bishops been in doubt concerning the justice of the German cause, they should have remained silent. Instead, until the very end of the war they exhorted their followers to shed their blood in the service of God and country ..*i). Russell Luke Sedgwick mag den zu Fulda versammelten Mitgliedern so) Levy The Catholic Church 234. si) Ebenda 235 f. 13*

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