Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

HOLLAENDER, Albert E. J.: Offiziere und Prälaten. Zur Fuldaer Bischofskonferenz, August 1945

190 Albert E. J. Hollaender Welchen Studien Sedgwick sich in Bonn widmete, welche Vorlesungen er belegte, erscheint gegenwärtig nicht nachweisbar, obwohl manches dafür spricht, daß es moderne Sprachen waren. Die Eintragungen in den obzitierten Nachschlagewerken 15), die wohl wie üblich auf von der be­treffenden Persönlichkeit ausgefüllten Fragebogen beruhen, nennen ihn „Ph. D. (Bonn)“, dem Catholic Who’s Who zufolge hatte er überdies ein „First Class Diploma in Modern Languages“ erworben. Wir wollen dies hier nicht bezweifeln, sind aber genötigt, auf eine Diskrepanz mit diesen Feststellungen hinzuweisen, die aus einer Mitteilung des Bonner Universi­tätsarchivs an den Verfasser dieses Beitrags zutage tritt. Auf eine Anfrage wurde ihm vom Archiv der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität folgender Bescheid zuteil: „Die von Ihnen gewünschten Daten über Russel (sic) Luke Sedgwick können wir Ihnen leider nicht liefern, da die­ser Name weder in unseren Im-, bzw. Exmatrikulationsakten und Fakul­tätsalben noch in den vorhandenen Dissertationsverzeichnissen der Philo­sophischen Fakultät nachweisbar ist ...“ 16). Nun ist es durchaus möglich, daß heute in Bonn weder die Fakultätsakten noch die Dissertationsver­zeichnisse geschlossen und lückenlos vor liegen, ja selbst die Möglichkeit einer Tilgung seines Namens in den späteren peinlichen Wirren der Nazi­periode kann nicht a limine ausgeschlossen werden — die von seiner Kriegs- und Nachkriegszugehörigkeit zur British Broadcasting Corpora­tion (B. B. C.) zeugenden und dortselbst erreichbaren Personalien geben ihm ein Bonner philosophisches Doktorat. Dieselbe Quelle17) erwähnt ferner, daß er 1925 einen Roman unter dem Titel Kiss the Tree und 1931 ein Drama (vielleicht Hörspiel?) Dinner in the Dark und etwa gleichzeitig eine psychologische Monographie über Captivity Neurosis veröffentlicht habe: keines dieser Werke ist im Britischen Museum, das das Pflicht­exemplar-Gesetz (Copyright Act) bekanntlich mit ziemlicher Strenge handhabt, nachzuweisen, es sei denn, daß Sedgwick sie unter einem bislang unaufgelöst gebliebenen Pseudonym veröffentlicht hat. Alle erreichbaren Quellen stimmen demhingegen darin überein, daß er eine rege literarische Tätigkeit entfaltet habe, die sich namentlich in der Mitarbeiterschaft an katholischen Zeitschriften und Magazinen dokumentierte. Für diese habe er, so heißt es allenthalben, häufig Aufsätze über erziehungspolitische und künstlerische Tagesfragen, sowie über volkskundliche Probleme und Impakt von Galens Predigten im Nazireich von 1941 siehe die in vieler Bezie­hung grundlegende Studie von John S. Conway The Nazi Persecution of the Churches (London 1968) 278—284. 15) Siehe Anm. 9. i'>) Schriftliche Mitteilung vom 2. Juni 1970, gezeichnet: „i. A. Norbert Andernach“. 17) Schriftliche Mitteilung von Mr. R. D. Hewlett, Head of Reference and Registry Services, British Broadcasting Corporation, Ref. 37/RDH vom 4. De­zember 1969, für die hier ergebenst gedankt sei.

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