Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

ZÖLLNER, Erich: Das österreichische Stammbuch des konfessionellen Zeitalters und seine Bedeutung als Geschichtsquelle

160 Erich Zöllner Es begegnen selbst vier- oder fünf sprachige Texte38). Man findet im Stammbuch Otto Heinrichs von Herberstein als Andenken an die Kava­lierstour Eintragungen in der kymrischen Sprache der Walliser und im Irisch-gälischen als sprachliche, gewiß gern akzeptierte Kuriosa, übrigens mit lateinischen Übersetzungen 39). Neben der Vielsprachigkeit erschwert auch die Tatsache, daß Wahlsprüche, die dem Albenbesitzer bekannt waren, oft nur mit den Anfangsbuchstaben wiedergegeben werden, die Identifizierung des Wortlautes. In diesen und anderen heikleren Fällen wird man mit Nutzen auf einschlägige Hilfsmittel zurückgreifen40). Im übrigen gibt das ältere Werk von Robert und Richard Keil über die deut­schen Stammbücher eine verhältnismäßig breite, wenn auch nicht immer entsprechend kommentierte Auswahl von Sinnsprüchen 41). Die Lesbarkeit der Eintragungen in den Stammbüchern ist in der Regel nicht schlecht; schließlich gebot es der Anstand, dem Freunde nicht ein unleserliches Gekritzel in sein geliebtes und sorgfältig gehütetes Al­bum zu setzen. Bisweilen aber ist die Tinte heute schon sehr verblaßt; überdies wechselt mit jeder Eintragung Hand und Duktus; die Möglich­keit des „Einlesens“ ist daher nur gering. Schließlich wurde nicht selten durch übermäßige Beschneidung der Blätter bei Neueinband der Alben der Textbestand verstümmelt. So kann also aus verschiedenen Gründen der Leser der Albeneintragungen heute vor einer nicht ganz leichten Aufgabe stehen. Wenn wir uns den Illustrationen zuwenden, so ist zunächst der gerade in den älteren Alben zahlenmäßig gegenüber anderen Bildformen weit 38) Zöllner Herberstein 363 f. 39) Ebenda 367. 4°) Vgl. insbesondere J. Dielitz Wahl- und Denksprüche, Feldgeschrei, Losungen, Schlacht- und Volksrufe besonders des Mittelalters und der Neu­zeit, gesammelt, alphabetisch geordnet und erläutert (Frankfurt a. Main 1882—1884). — Vgl. auch die einschlägigen Angaben bei Schünemann Stammbücher 72 ff. — Als Beispiel einer nur mit den Anfangsbuchstaben der Wörter wiedergegebenen Eintragung (eines sogenannten Monogrammes) fol. 5v des Stammbuches von Georg Andreas von Herberstein (Brit. Mus. Add. Ms. 15.736) die Devise des Kurfürsten Friedrichs V. von der Pfalz: „R. M. H. N. D. W.“ (= „Regier’ mich Herr nach Deinem Wort“): Dielitz 275. In einem Stamm­buchfragment mit Eintragungen der Jahre 1595—1609, bestehend aus dreißig losen Blättern, möglicherweise zu einem Stammbuch von Bernhard Grafen Puchheim gehörig (Österr. Museum für Angewandte Kunst Wien, Sign. Q I 11), fol. 3: Erzherzog (später Kaiser) Matthias mit der Devise „A. V. C.“ (= „Amat victoria curam“); fol. 3v: Erzherzog Ferdinand (später Kaiser Ferdinand II.), Devise: „C. L. C.“ (— „Corona legitime certantibus“) und dessen Gattin Maria Anna v. Bayern mit der Devise „W. G. W.“ (wohl: „Wie Gott will“). 41) Keil Deutsche Stammbücher 53 ff. Eine Zusammenstellung der Devi­sen von zwei in Wien aufbewahrten Stammbüchern gibt Ferdinand Menőik Aus Stammbüchern der k. k. Hofbibliothek in Vierteljahresschrift Herold 32 (1904) 389 ff. Vgl. auch die oben Anm. 13 zitierte Edition Loesches.

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