Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

ZÖLLNER, Erich: Das österreichische Stammbuch des konfessionellen Zeitalters und seine Bedeutung als Geschichtsquelle

156 Erich Zöllner Die Eintragungen der Freunde und Gönner sind in den Stamm­büchern nach verschiedenen, untereinander oft abweichenden Grund­sätzen angeordnet; bisweilen scheint freilich ein Ordnungsprinzip kaum feststellbar. Eine streng chronologische Reihung wird kaum je eingehal­ten. Häufiger ist eine Gliederung dem Stand und Rang nach; so sind etwa die vorderen Blätter des Stammbuches von Georg Andreas von Herberstein fürstlichen oder zumindest hochadeligen Persönlichkeiten Vorbehalten25), während Franz Christoph von Teuffenbach in seinem Album den Damen den Vortritt gewährte; es folgen dann Herzoge, Pfalz­grafen, Grafen, Freiherren. Die Eintragungen bürgerlicher, zumeist wohl patrizischer Familien, häufen sich gegen Ende des Stammbuches, doch ist im Hauptteil der Eintragungen keine strenge Rangordnung mehr befolgt. Die einzelnen Eintragungen konnten recht verschieden gestaltet wer­den. Als Haupttypen könnte man reine Schrifttexte von jenen Beiträgen unterscheiden, die durch eine Illustration, die dann oft zur Hauptsache wurde, ergänzt sind. Von diesem Bildschmuck soll noch die Rede sein. Die einfachste Form der Eintragung bestand in der Setzung des bloßen Namenszuges. Sie ist freilich selten, meist auf Persönlichkeiten, denen ein wesentlich höherer Rang als dem Albenbesitzer zukam, be­schränkt; so findet sie sich als Beitrag von Fürsten: Da war es eben schon eine sehr hohe Ehre, wenn nur der Name ins Album eingetragen wurde. Respekt gebührte wohl auch Eintragungen wissenschaftlicher Zele- britäten, aber diese fühlten sich doch verpflichtet, ihr Wissen unter Be­weis zu stellen, ihren Witz zu bewähren und belehrend oder anerkennend zum studentischen Albenbesitzer zu sprechen — und da mußte man schon etwas mehr als den Namen schreiben. Ob nun die Eintragung kurz oder lang war: Das Autograph des Freundes, des Gastgebers in fernem Land, des verehrten Lehrers, des erlauchten Fürsten zu erlangen, sei es als Beweis der Anerkennung der eigenen Person, sei es als Studiennachweis oder bloß zur dauernden Erinnerung, bot gewiß einen wichtigen Ansporn für die Anlage der Alben — wenn auch nicht den einzigen. Manche dieser Eintragungen sind auch heute noch geeignet, beim Leser des Albums eine andächtige, weihevolle Stimmung aufkommen zu lassen. Hier kann etwa auf die Widmung Tycho de Brahes im Stammbuch des Wieners Wolfgang Sinnich26), auf die warmherzigen Worte Galileis im Stammbuch des 25) Brit. Mus. Add. Ms. 15.736. Vgl. Rosenheim Album Amicorum 297; Zöllner Austriaca 351 f. 26) CVP 12.888 fol. 120: „Suspice et despice. Tycho Brahe scripsi Vitebergae anno 1599 martii 6.“ Der Großvater Sinnichs Petrus kam — vermutlich als Flüchtling vor den Türken — von Buda nach Wien, der Vater wohnte hier im Schaumburger Hof; er hieß Wolfgang wie der Sohn. Vgl. die genealogischen Angaben fol. 5 v.

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