Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

ZÖLLNER, Erich: Das österreichische Stammbuch des konfessionellen Zeitalters und seine Bedeutung als Geschichtsquelle

152 Erich Zöllner reichischen Landesarchiv zu verweisen, ein nur abschriftlich erhaltenes „Gesellschaftsbuch“ eines namentlich nicht bekannten, aber offenbar dem österreichischen Adel angehörenden Besitzers. Die Eintragungen beginnen schon mit dem Jahre 1524 und reichen bis 1563 4). In unserem Aufsatz sollen in den Kreis einer quellenkundlichen Be­trachtung vor allem Alben der alten österreichischen Erbländer und Salz­burgs einbezogen werden, die aus dem 16. und der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts stammen. Das Jahr des Westfälischen Friedens (1648) ist ungefähr als Abschluß gedacht; der Friedensschluß bestätigte ja für die österreichischen Länder den Sieg der Gegenreformation, mochte er sonst auch Kaiser und Reich Verluste gebracht haben. Die erhaltenen Bestände österreichischer Stammbücher verschiedener Typen finden sich heute zumeist in staatlichen und kirchlichen Bibliothe­ken, nicht selten auch in Archiven und Museen. Der Privatbesitz ist schwer überschaubar. Neben den österreichischen Sammlungen, von denen die der Nationalbibliothek am reichhaltigsten ist5 6), sind auch ausländi­4) Oberösterreichisches Landesarchiv, Schlüsselbergerarchiv Hs. 56 (Sammel­band Curiosa mixta 1694 des Freiherrn Johann Georg Adam von Hoheneck (pp. 412—440), der den Kodex mit einem Register versah (vgl. p. 414). Die Be­zeichnung „Gesellschaftsbuch“ stammt wohl von Hoheneck. Die Abschrift des Stammbuches erfolgte durch eine einzige Hand zu Ende des 16. oder Beginn des 17. Jahrhunderts (Job Hartmann Freiherr von Enenkel?). Im Buch sind zahlreiche österreichische Adelige vertreten, etwa aus den Familien Althan, Auersperg, Dietrichstein, Eitzing, Hager, Hardegg, Herberstein, Hofmann, Hof­kirchen, Lamberg, Liechtenstein, Losenstein, Perkheim, Polheim, Puchheim, Rogendorf, Starhemberg, Streun, Thonradi, Ungnad; es finden sich auch Namen von Familien aus dem Reich, aus Böhmen und Ungarn. Die früheste Eintra­gung (p. 416) stammt von Johann v. Thalham (1524), die nächsten (p. 420) von Andreas bzw. Hans Ungnad Freiherren von Sonneck (1525); die Masse der Ein­tragungen setzt 1534 ein. Das Glanzstück des Originalalbums war wohl (p. 512) die Widmung Wilhelms von Oranien mit seinem Wahlspruch „Je maintiendray“ (1562). Die Abschrift beschränkt sich auf die (zumeist deutschen) Texte; ob das Original illustriert war, ist nicht festzustellen, doch kann Wappenschmuck ange­nommen werden. Dem Kopisten unterliefen einige Lesefehler. Dem oberöster­reichischen Landesarchiv bin ich für freundliche Auskünfte und Übersendung der Handschrift zu Dank verpflichtet. 6) Eine Übersicht der zumeist illustrierten Stammbücher ermöglicht das Inventar der illuminierten Handschriften der Österreichischen Nationalbiblio­thek 1 (Wien 1957) 320 (Register). — Die zahlreichen Stammbücher der Wiener Stadtbibliothek gehören einer späteren Zeit an. Vgl. aber die Stammbuchblätter Sign, a 44.205. Bemerkenswerte Stücke enthalten u. a. noch die Sammlungen des Historischen Museums der Stadt Wien und des Österreichischen Museums für angewandte Kunst. Zu den wichtigen Stammbüchern des Oberösterr. Lan­desarchivs vgl. Georg G r ü 11 in Adler. Zeitschrift für Genealogie und Heral­dik 4 (18, 1956—1958) 91 f. — Für wertvolle Unterstützung bei der Arbeit an den Stammbuchbeständen fühle ich midi insbesondere Dr. W. Deutschmann, Dr. H. Dornik-Eger, Dr. K. Gladt, Dr. H. Hageneder, Hofrat Dr. H. Sturm­berger, Dr. P. Uiblein und Dr. M. Weltin zu Dank verpflichtet.

Next

/
Thumbnails
Contents