Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 24. (1971)

NECK, Rudolf: Sammelreferat. Erster Weltkrieg

Rezensionen 521 führte 1858 Frankreich und Rußland, die sich im Krimkrieg als Feinde gegenübergestanden waren, zusammen, die Donaumonarchie aber in die verhängnisvolle Isolierung im Krieg von 1859. Die politischen und militärischen Ereignisse vor, wählend und unmit­telbar nach dem Krimkrieg sind von der historischen Forschung oft und eingehend behandelt worden. Dem Vf. geht es, wie er einleitend bemerkt, um die österreichische Politik während des Krimkrieges und um die Ana­lyse des Spannungsfeldes zwischen der inneren und äußeren Lage des Vielvölkerstaates, einer Spannung, die, mag man sie nun innerhalb der Regierung oder bei den einzelnen Politikern, vorzugsweise bei Außen­minister Buol, suchen, die österreichische Außenpolitik dieser Jahre be­stimmt hat. Wenn der Vf. seine Arbeit „lediglich einen Beitrag zum Ver­ständnis der österreichischen Außenpolitik in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts (S. 15)“ nennt, darf ihm widersprochen werden: Sie kann ohne Übertreibung als zusammenfassende Gesamtdarstellung gewertet werden, denn wer sich in Hinkunft über die verschiedensten Aspekte der österreichischen Außenpolitik während des Krimkrieges informieren will, dem kann man ohne Bedenken das vorliegende Werk als Leitfaden empfehlen. Der Vf. hat in seiner Arbeit nämlich einerseits auf die For­schungsarbeit vorausgegangener Standardwerke aufgebaut, andererseits aber darüber hinaus einen weit umfangreicheren Quellen- und Litera­turbestand ausgewertet und interpretiert. Hat man bisher, um nur eines der Hauptergebnisse herauszugreifen, als Grund für das Scheitern der österreichischen Politik dieser Jahre häufig angeführt, sie habe keine klare Zielsetzung und keine feste Linie auf gewiesen, die Hinwendung Österreichs zu den Westmächten habe den Krimkrieg nicht überdauert, so wird man durch die vorliegende Studie eines Besseren belehrt. Es war das herrschende Regierungssystem, das der Politik den Zwang, so und nicht anders handeln zu können, auf­drängte. „Der Neoabsolutismus war der großangelegte Versuch, die in der Revolution von 1848 freigesetzten zentrifugalen Kräfte durch die Dyna­mik eines ökonomisch und politisch geeinten und Mitteleuropa beherr­schenden Österreich aufzufangen. Allein der innenpolitische Teil des Programmes konnte wenigstens für einige Zeit realisiert werden. Außen­politisch mußte die österreichische Regierung seit den Tagen Schwarzen­bergs einen schrittweisen Rückzug durchführen, der in der Krise des Jah­res 1859 einen ersten Höhepunkt erreichte“ (S. 286). Die Frage nach den Gründen für das Scheitern der österreichischen Außenpolitik in den Jah­ren 1852 bis 1856 darf mit der Feststellung des Vf.s beantwortet wer­den: „der Grund für jenes Scheitern sei in der Tatsache zu suchen, daß die Regierung sich zuviel vorgenommen habe, daß sie zu viel zur gleichen Zeit habe erreichen wollen“ (S. 294). U. hat mit seiner Studie zur Politik der Donaumonarchie in den Jahren 1852—1856 einen historisch wertvollen und von der Bearbeitung her wohlfundierten Beitrag zur Geschichte jener Epoche geleistet, in der die Weichen für die weitere politische Entwicklung des franzisko-jose- phinischen Reiches gestellt worden sind. Richard B 1 a a s (Wien)

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