Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 24. (1971)

NECK, Rudolf: Sammelreferat. Erster Weltkrieg

Rezensionen 517 technischem Gebiet nicht vergessen werden. Jeder, der es künftig zu Rate ziehen wird, wird für die Reichhaltigkeit und die sorgfältige und genaue Zitierweise vor allem der Archivalien dankbar sein, die nur selten für Dissertationen zu registrieren sind. Der Anhang umfaßt neben den Porträts Elisabeths und Karls und zwei Stammtafeln den Abdruck der wichtigsten besprochenen Dokumente. Es ist zu hoffen, daß D. dieser Auf­arbeitung die Verarbeitung seiner fundierten Kenntnisse folgen läßt. Christiane Thomas (Wien) Grete Klingenstein, Staatsverwaltung und kirchliche Autorität im 18. Jahr­hundert. Das Problem der Zensur in der theresianischen Reform. (Österreich Archiv. Schriftenreihe des Instituts für Österreichkunde. Hg. von Erich Zöllner.) Verlag für Geschichte und Politik, Wien 1970. 235 S. Die Vfn. will in ihrem Buch, das sehr viele neue und wertvolle Ein­sichten bringt, zwei historische Erscheinungen, die sie auch immer wieder miteinander verflicht, heraussteilen: die Vorkommnisse in der sich all­mählich zu einer rein staatlichen Einrichtung entwickelnden Zensurkom­mission und die wahren Ursachen der Entstehung des Josephinismus. Für die Geschichte und die Beurteilung der Zensur vermag sie in der Tat wesentlich neue Gesichtspunkte beizubringen, insbesondere auch das Bestreben des Wiener Kardinals Trautson, die Jesuiten in der von ihnen im Auftrag der Universität wahrgenommenen Ausübung der Zensur theologischer, philosophischer und anderer Druckwerke zurückzudrängen. Knapp vor seinem Tode mußte er aber auch erkennen, daß er nur die Geschäfte des viel weiter planenden Präsidenten der Zensurkommission, Gerhard van Swieten, und seiner Organe besorgt hatte; aber die Bresche, die er diesen geöffnet hatte, ließ sich nicht mehr schließen, zumal sein Nachfolger, Kardinal Migazzi, diese antijesuitische Politik fortsetzte. Es bildet nach meiner Ansicht das Hauptverdienst der Vfn., diese Tatsache gegenüber den Verschleierungsversuchen von B. Duhr und C. Wolfsgruber ins helle Licht gestellt zu haben. Migazzi mußte allerdings sehr bald den völligen Zusammenbruch seines „Episkopalismus“, wie er von der Auto­rin genannt wird, erleben, ganz abgesehen davon, daß er auch durch die Veränderungen, die nach dem Pontifikatswechsel 1758 an der römischen Kurie vor sich gingen, auf streng kirchliche Bahnen gedrängt wurde, die ihn in kurzer Zeit zu einem entschiedenen Gegner des damals entstehen­den und sich bald bemerkbar machenden Josephinismus werden ließen. Zu diesem zweiten Teil der Darstellung muß ich allerdings meine Bedenken anmelden. Zunächst möchte ich gegen die Behauptung Einspruch erheben, daß ich in meinem Büchlein Der Frühjosephinismus (1969) diesen schon in den Fünfzigerjahren beginnen lasse, — während ich in Wirklich­keit für diese Zeit nur von Vorboten, nicht aber von diesem selbst be­richte. Die Vfn. muß allerdings den Josephinismus schon ein Jahrzehnt früher beginnen lassen, weil sie zwar die These Eduard Winters ablehnt, aber in Abwandlung seines Begriffes vom Reformkatholizismus nicht die bisherige Auffassung von der Kirchenreform, sondern die aufklärerischen, jansenistischen und antijesuitischen Strömungen und Bestrebungen ver­steht, die zur Entstehung des Josephinismus geführt haben. Die zweite und

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