Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 24. (1971)

NECK, Rudolf: Sammelreferat. Erster Weltkrieg

Rezensionen 515 Worten „Graf Helfenstein, der wegen der Verheiratung eines Sohnes Kaiser Ferdinands mit der englischen Königin schon längere Zeit mit König Philipp und Kardinal Granvella in Verbindung gestanden hatte .. [S. 7] über die Frage, wann und wo die Wurzel dieser Bestrebungen zu suchen ist, hinweg) und erst mit der Entscheidung Karls für eine bayerische Prinzessin 1570 seinen Abschluß fand. In bezug auf die Wiener Quellenlage kommt D. das Verdienst zu, zum ersten Mal die eigenartigerweise nie zur Gänze benützten Dokumente des Bestandes der Familienakten herangezogen zu haben, die gleichsam das Konzentrat des Gegenstandes enthalten. Um diesen Kern des Be­treffs „englische Heirat“ gruppiert er alle archivalischen Nachrichten, die den rein diplomatischen Schriftwechsel, sozusagen die einfache Linie von Frage oder Weisung und Antwort oder Bericht, zu einem Netz aller von diesem Schlagwort ausgehenden Schriftlichkeit umwandeln. So wer­den die finanziellen Grundlagen für die Absendung der Gesandtschaften einschließlich der Geschenk- und Kundschafterrechnungen sowie biogra­phische Daten aus dem Wiener Hofkammerarchiv und dem Obersthof­meisteramt des Haus-, Hof- und Staatsarchivs belegt. Es fehlen weder die entsprechenden Notizen Maximilians II. in seinem Tagebuch, noch die kurzen Resolutionen des Geheimen Rates, so daß private und hochoffizielle Äußerungen die Aussagedichte verstärken. Für den schriftlichen Nieder­schlag der englischen Gegenseite kann sich der Vf. in weitaus größerem Maße auf bereits gedruckte Archivalien — man denke nur an die Reihe der Calendars of State Papers — stützen. Daß sich, wie im Fall Wien, auch noch minder bedeutende, aber doch zur Detailkenntnis beitragende Papiere entdecken ließen, soll nicht geleugnet werden. Wenn D. auf eben­so gründliche Londoner Archivarbeit verzichtet, so ist ihm daraus kein Vorwurf zu machen: Er ist berechtigt, Grenzen zu ziehen, um eine Aus­dehnung ins Uferlose zu vermeiden. Diese Tatsache schmälert nicht die Anerkennung, die man dem Autor für die lückenlose Dokumentation für eine der beiden handelnden Parteien zu zollen hat. Mit vollem Bedacht wurde für D.s Dissertation der Begriff Material­sammlung und nicht der einer Darstellung gewählt: Ersterer scheint bes­ser den Charakter dieser Veröffentlichung wiederzugeben. Der Vf. hat sich nämlich entschlossen, einerseits so oft als nur irgend möglich die Quelle selbst sprechen zu lassen und andererseits an dem Schema der chronolo­gischen Abfolge von Gesandtschaft um Gesandtschaft festzuhalten. Beide Prinzipien haben Vor- und Nachteile. Die fast pausenlose Aneinander­reihung von Gesandtenberichten in indirekter Rede zeigt zwar deutlich das ununterbrochene Auf und Ab von halbem Zugeständnis und unbestimm­ter Ablehnung, den Stimmungwechsel von beinahe übertriebenem Opti­mismus zu resignierendem Pessimismus der Berichterstatter und das unter Umständen mit der Formulierung von den Launen einer Frau zu um­schreibende Verhalten der englischen Königin, doch stehen diesen Po­sitiva — wenn man sich eine Darstellung erhoffte — auch Negativa ge­genüber. Das Bestreben, möglichst genau mit den Abfassungen der ver­schiedenen Briefsteller vertraut zu machen, führt dazu, daß sozusagen die gesamte Vorlage und in weiterer Folge Wichtiges neben Unwichtigem 33*

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