Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 24. (1971)

NECK, Rudolf: Sammelreferat. Erster Weltkrieg

Rezensionen 503 ßung der Nuntiaturberichte aus der Zeit des Josephinismus als Ergänzung zu den auf Wiener archivalischen Quellen beruhenden Editionen Ferdi­nand Maaß’ in Angriff zu nehmen, teilweise verwirklicht. Mit Absicht wur­de die Bearbeitung der Amtstätigkeit Viscontis, eines Mannes, der sich die Hochschätzung Maria Theresias und Josephs II. in Wien erwarb, der sicher­lich von jansenistischen Neigungen nicht frei war und als katholischer Aufklärer für die Verringerung der Feiertage und die Herauf Setzung des Profeßalters für Ordensleute eintrat, vor der seines Vorgängers Vitaliano Borromeo (1760—67) vorgenommen. Die Gestaltung dieses Bandes, der als Teamwork mehrerer Stipendiaten des Kulturinstituts entstand, stellt die Frucht gründlicher Überlegungen über die Möglichkeiten der Erschlie­ßung des in verschiedenen Beständen des Vatikanischen Archivs seit 1921 erliegenden Archivs der Wiener Nuntiatur sowie weiterer Korresponden­zen zwischen Nuntius und Kardinalstaatssekretär dar 2). Die Publikation wurde durch Untersuchungen über das Nuntiaturarchiv und durch eine kanzleigeschichtliche Arbeit gut vorbereitet3 4). Sie beschränkte sich auf die Erfassung der politischen Korrespondenz samt Beilagen und Betreff­stücken, ohne die Gerichtssachen und Informativprozesse mit zu erfassen. Die Betreffe der in diesem Band bearbeiteten Schriftstücke wurden nicht in Form von Regesten, sondern in der kurzer Rubren dem Benützer erschlossen, der durch diese knappen Hinweise an die Quellen selbst her­angeführt werden soll. Es ist nur zu begrüßen, daß die zahlreichen in den Rubren nicht aufscheinenden Eigen- und Ortsnamen im Register erfaßt wurden. Leider mußte die Beigabe eines Sachregisters aus technischen Gründen unterbleiben. Über die aktuelle Bedeutung für Visconti und seine Zeit hinaus kommt diesem Band paradigmatische Bedeutung für ähnliche Publikationen neuzeitlicher Akten zu. Anna Hedwig B e n n a (Wien) Eduard Winter und Maria Winter, Der Bolzanokreis 1824—1833. In Briefen von Anna Hoffmann, Michael Josef Fesl, Franz Schneider und Franz Prihonsky. (Veröffentlichungen der Kommission für Geschichte der Er­ziehung und des Unterrichtes 11 = Sitzungsberichte der österreichischen Akademie der Wissenschaften, phil.-hist. Kl., 266, 1. Abh.) Hermann Böhlaus Nachf., Graz—Wien—Köln 1970. 283 S., 10 Abb. Es ist den jahrzehntelangen Bemühungen des österreichischen Histori­kers Eduard Winter und seiner Schüler in der ganzen Welt zu danken, daß der Prager Religionsphilosoph und Mathematiker Bernhard Bolzano (1781—1848) heute in der Geschichte der Wissenschaftstheorie und des Reformkatholizismus jenen internationalen Rang einnimmt, der ihm ge­bührt. Daß der 1819 wegen „Heterodoxie und Untergrabung der Staats­2) Vgl. Heinrich Schmidinger Zur Frags der Erschließung und Publi­kation neuzeitlicher Akten in MIÖG 63 (1956) 53—63. 3) Vgl. Walter Wagner Die Bestände des Archivio della Nunziatura di Vienna bis 1782 in Römische Historische Mitteilungen 2 (1958) 82—203; Fridolin D ö r r e r Der Schriftverkehr zwischen dem. päpstlichen Staatssekretariat und der Apostolischen Nuntiatur in Wien in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts, ebenda 4 (1961) 86 f.

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