Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 24. (1971)

THOMAS, Christiane: Neunter Österreichischer Archivtag 1971 in Innsbruck

490 Archivberichte Statistiken, die auf Grundlage eines Wirtschaftsarchivs aufgestellt werden, lassen sich nicht nur für Firmengeschichten verwerten, ihre Er­gebnisse dienen einer langfristigen Industrieplanung, da z. B. Mindest­absatzmenge bei kostendeckender Arbeit abgelesen und danach Produktion und Kalkulation ausgerichtet werden können. Für Dinklage ist es die Auf­gabe der Landesarchivare, Evidenz über vorhandene Wirtschafts­archive zu halten, ihre Besitzer zur Aufbewahrung zu bewegen und ältere Teile in die Landesarchive aufzunehmen. Leitende Angestellte einer Fir­ma könnten bei einer Teilskartierung beratend mitwirken. Dr. Gerhard Pferschy, Archivrat am Steiermärkischen Landes­archiv (Graz), hatte es übernommen, über Die Wirtschaftsarchive im Steiermärkischen Landesarchiv zu sprechen. Neben Herrschafts- und Klo­sterarchiven sowie solchen der Finanzbehörden trägt das Grazer Archiv auch die Obhut über sozusagen „echte“ Wirtschaftsarchive, die aus Wirt­schaftszweigen von überregionaler Bedeutung erwuchsen und auch die Geschichte „übergreifender“ Behörden beleuchten. Die Tatkraft und der persönliche Einsatz von Joseph von Zahn sind die Ursache, daß Archivalien über die Salz- und Erzgewinnung und die Verarbeitung von Erzen für das Landesarchiv gerettet wurden. So beantragte er bereits vier Jahre nach der Übernahme der Innerberger Hauptgewerkschaft durch eine Aktien­gesellschaft, das Archiv der Hauptgewerkschaft dem Landesarchiv zu überlassen. Seine jahrelangen Bemühungen, die als Beispiel für die „Taktik der kleinen Schritte“ anzusehen sind, waren 1886 von Erfolg gekrönt, als die in Eisenerz und Großreifling untergebrachten Gewerk­schaftsakten zum überwiegenden Teil in Graz eintrafen. Splittergruppen, die als Makulatur verschleudert worden oder an einen an Paläographie interessierten Lehrer gelangt waren, wurden entweder angekauft oder im Tauschweg erworben. Auf eine detaillierte Aufschlüsselung mußte Zahn jedoch wegen des „Wirrwarrs von Geschäften“ verzichten. Die jüngeren Bestände des 18. und 19. Jahrhunderts ergänzten 1911 das schon im Archiv Vorhandene. Auch die Sicherung der Archive der Vordernberger Radmeisterkommu- nität und des Leobener Bergamts sind Zahn zuzuschreiben. Das Archiv der Salinenverwaltung Aussee wurde ihm nur in seinem älteren Teil bis 1794 abgetreten, doch sind heute auch die Fortsetzungen 1795—1850 und 1851—1900 in zwei späteren Lieferungen im Landesarchiv aufgestellt. Die Benützung und Bearbeitung der drei übernommenen Archivkörper ge­staltet sich etwas kompliziert, da das Struktursystem nicht einheitlich ist. Weitaus weniger problematisch zeigt sich der Aufbau des Archivs der Innerberger Hauptgewerkschaft. Für das Leobener Bergamt war die Auf­rechterhaltung der alten Ordnung eine Bedingung der Abgabe. Daher ist für den Forscher die eingehende Kenntnis der Behördengeschichte un­umgängliche Prämisse. Erwähnenswert ist ferner, daß hier mit dem Ende des 18. Jahrhunderts nicht eine Registratur-, sondern eine Archivordnung vorliegt, die die Akten chronologisch reiht und chronologische Repertorien sowie entsprechende Indizes beifügt. In den ab 1609 fast alljährlich ange­hängten Miscellanea können Fragmente sonst nicht aufscheinender Wirt­schaftsvorgänge entdeckt werden.

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